Höhepunkt der Amend&Extend-Welle erreicht

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27.11.14
Finanzen & Bilanzen

Höhepunkt der Amend&Extend-Welle erreicht

Viele Treasurer haben das derzeit attraktive Marktumfeld genutzt, um die Laufzeiten ihrer syndizierten Kredite einfach zu verlängern, statt sie komplett neu aufzustellen. Das führt zu einem Höhepunkt bei den Amend&Extend-Transaktionen in diesem Jahr. 2015 wird es so aber nicht weitergehen.

2014 ist das Jahr der Amend&Extend-Transaktionen: Dealogic zufolge waren von den Refinanzierungen in Höhe von rund 349 Milliarden Euro in diesem Jahr in Westeuropa mit 96,2 Milliarden Euro stolze 28 Prozent – also rund jede vierte – eine Amend&Extend-Transaktion. In konkreten Zahlen bedeutet das: Bislang sind in diesem Jahr 111 derartige Transaktionen in Westeuropa abgeschlossen worden. 2013 waren es mit 56 gerade mal die Hälfte, im Jahr 2012 nur 31. Damit hat sich die Anzahl dieser Transaktionen in den vergangenen drei Jahren jährlich nahezu verdoppelt.

Vermutlich dürften es sogar noch mehr gewesen sein, da nicht alle Transaktionen dieser Art ihren Weg in die Datenbanken finden. „Amend&Extend-Transaktionen finden oft auch im Wege von Amendmentrequests über den Facility Agent statt“, sagt Andreas Voglis, Leiter des Bereichs Financial Structuring und Advisory bei der HSBC in Deutschland. „Und diese werden häufig nicht den bekannten Datenbanken gemeldet.“ Hinzu komme, dass es auch bei dieser Transaktionsart unterschiedliche Spielarten gibt, weshalb nicht alle immer klar dem Amend&Extend-Schema zugeordnet werden können.

Doch eines ist sicher: Viele Treasurer haben das derzeit attraktive Marktumfeld genutzt, um die Laufzeiten ihrer syndizierten Kredite einfach zu verlängern, statt sie komplett neu aufzustellen, die Margen nach unten anzupassen und gegebenenfalls ihre Kreditdokumentationen zu erleichtern. Unternehmen mit einer Bonität im Investmentgrade konnten dabei ihre Kreditlaufzeit in der Regel um fünf Jahre verlängern, teilweise haben sie dabei auch zwei einjährige Verlängerungsoptionen erhalten.

Gründe für Amend&Extend-Welle

Es gibt verschiedene Gründe für diese Entwicklung: „Wir haben den Trend, dass sich die Zinsen und die Margen und Spreads extrem einengen“, sagt Thomas Haas, Global Head of Loan Syndication der BayernLB. Die Finanzierungen können heute günstiger abgeschlossen werden als noch vor einem Jahr. Die Treasurer könnten die Kredite jederzeit kündigen und gehen nun opportunistisch vor, da sie erkannt haben, dass eine Verlängerung Kostenvorteile gibt. Zudem ist das neue Preisniveau für die kommenden Jahre fixiert, also auch dann, wenn sich – spätestens 2019 –Basel III voll auf die Bankbilanzen auswirken wird.

Hinzu kommt, dass es für die Banken nur relativ wenig Kreditangebot gibt und sie ein Interesse daran haben, eine über Jahre hinweg aufgebaute Kundenbeziehung fortzusetzen. „Viele Banken wollen die Kundenbeziehung nicht wegen einiger Basispunkte aufs Spiel setzen“, sagt Haas weiter.

Der Windenergieanlagenhersteller Senvion ist eines der Unternehmen, die in diesem Jahr eine Amend-and-Extend-Transaktion abgeschlossen haben. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft der indischen Suzlon Gruppe hat Ende März mit einem bis dato von der BayernLB, der Commerzbank und der Deutschen Bank geführten Konsortium einen syndizierten Kredit in Höhe von 850 Millionen Euro unterzeichnet. Die Besonderheit dabei war, dass Senvion neben der Verlängerung auch neue Banken eingebunden hat, um das Kreditvolumen zu erhöhen – eine Art Hybridversion des Amend&Extend.

„Die Vorteile dieser Hybridversion des Amend&Extend haben gegenüber einer klassischen offenen Refinanzierung überwogen“, sagt Susanne Ochernal, Leiterin Corporate Finance & Treasury von Senvion. Nach dem Begutachten der bestehenden Kreditstruktur hat die Treasury-Chefin festgestellt, dass es im Wesentlichen um eine Verlängerung der Kreditlaufzeit geht. „Durch die Amend&Extend-Struktur konnten wir auf die bestehende Kreditstruktur aufbauen und mussten nicht bei null anfangen“, sagt Ochernal. Das habe den Prozess deutlich schlanker als bei einer klassischen Refinanzierung gemacht. Zudem erhalte man eine höhere Transaktionssicherheit, da sich die beteiligten Parteien kennen.

„Obwohl wir sechs neue Banken für das Konsortium gewinnen konnten, traf das auch für uns zu“, sagt die Senvion-Treasury-Chefin. Der Grund: „Wir haben schon in den vergangenen Jahren den Kontakt zu diesen Banken gepflegt oder zum Teil bereits bilaterale Geschäftsverbindungen unterhalten.“ Im Zuge der Amend&Extend-Transaktion konnte Senvion auch noch einzelne Vertragsklauseln anpassen.

2015: Volumen der Amend&Extend-Transaktionen sinkt

Da die Amend&Extend-Transaktionen in den vergangenen drei Jahren einen wahren Boom erfahren haben, ist davon auszugehen, dass viele Kredite bereits verlängert sind. Die meisten Treasurer haben ihre Hausaufgaben schon gemacht, da sind sich die Banker einig: „2015 gibt es schon noch Situationen, wo wir einige Amend&Extend-Transaktionen sehen können“, sagt Voglis von der HSBC. Es könnte noch einiges kommen, „aber bei weitem nicht mehr so viel wie in diesem Jahr“, ist er überzeugt.


Das bestätigt auch Haas von der BayernLB: „Bei den Amend&Extend-Transaktionen haben wir in diesem Jahr den Peak gesehen. Das Volumen wird im kommenden Jahr rückläufig sein, da die meisten Unternehmen bereits refinanziert haben und ich nicht wie in den letzten Monaten mit einem weiteren Verfall der Margen rechne.“ Sobald die Margen steigen, dürfte es mit dem Amend-and-Extend-Trend ohnehin vorbei sein.

Paulus[at]derTreasurer.de