Bei Bonds mit Nachhaltigkeitsbezug lässt sich ein handfester Preisvorteil einfahren. Experte Sebastian Zank rechnet jedoch damit, dass es damit bald vorbei ist.

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18.08.21
Finanzen & Bilanzen

ESG-Bonds: Entfällt der Preisvorteil?

Treasurer verzeichnen bei nachhaltigen Transaktionen deutliche Einsparungen. Scope-Experte Sebastian Zank hält das für strukturell nicht gerechtfertigt.

Green Finance könnte am Bondmarkt bald keine Nische mehr sein, wie eine Auswertung der Ratingagentur Scope zeigt. 2020 schwankte der ESG-Anteil des Platzierungsvolumens neu emittierter Bonds von europäischen Non-Financials pro Monat zwischen 2 und 16 Prozent. Auf das Gesamtjahr gerechnet lag er bei 8 Prozent.

„In diesem Jahr zeigt sich eine sehr steile Wachstumskurve“, sagt Sebastian Zank, Executive Director bei Scope. Seit Mai liege der Anteil des über ESG-Bonds platzierten Volumens jeden Monat bei über 20 Prozent. „Im Juli haben wir sogar 32 Prozent erreicht.“ Zank geht davon aus, dass ESG-Finanzierungen in diesem Jahr insgesamt rund ein Viertel aller Bondemissionen ausmachen werden.

Sustainability-linked Bonds treiben den Markt

Zank sieht für den Durchbruch nachhaltiger Finanzierungsinstrumente zwei Hauptgründe: Zum einen entdecken Unternehmen aus neuen Sektoren den Markt. Lange Zeit waren Unternehmen aus dem Versorgersektor mehr oder weniger unter sich. Inzwischen nutzen auch die Automobilindustrie, die Immobilienbranche und sogar der Chemie- oder Konsumgütersektor das Segment.

Zum anderen wird der Zugang für neue Emittenten durch das Aufkommen von ESG-linked Bonds erleichtert – bei diesen Anleihen werden die Zinskonditionen an Nachhaltigkeits-KPIs gekoppelt. Ein abgrenzbares Portfolio an nachhaltigen Projekten ist daher – anders als bei Green, Social oder Sustainability Bonds – nicht notwendig, wodurch das Universum der potentiellen Emittenten enorm wächst.

Greenium nicht gerechtfertigt

Das steigende Angebot an ESG-Bonds könnte schon bald Einfluss auf das Pricing-Niveau am Green-Finance-Markt nehmen. „Derzeit sieht man bei etlichen Anleihen mit Nachhaltigkeitsetikett einen Preisvorteil gegenüber klassischen Bonds“, erklärt Zank. „Dieses sogenannte Greenium wird aber unserer Erwartung nach schon in diesem Jahr verschwinden“, so der Experte. Der Grund: Derzeit ist die Nachfrage nach ESG-Bonds extrem hoch, weshalb Investoren bereit sind, auf Rendite zu verzichten, um ein neues Papier zeichnen zu können. „Sobald das Angebot wächst und der Nachfrageüberhang schrumpft, werden Investoren aber wieder verstärkt die klassische Risikosicht einnehmen.“

Und aus dieser Perspektive sei ein Preisvorteil für ESG-Bonds strukturell nicht gerechtfertigt. Strukturell seien die Bonds genauso aufgebaut wie klassische Anleihen mit gleichem Risikoprofil. Deshalb würden Investoren langfristig keine reduzierte Rendite akzeptieren, argumentiert Zank. Am Ende des Tages zähle, inwieweit der Emissionserlös zur mittel- bis langfristigen Stärkung der Kreditqualität der Emittentin genutzt wird und welche Kosten mit der Erreichung der mit der Emission verbundenen Zielerfüllung einhergehen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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