Die Europäische Zentralbank (EZB) forciert ihre Pläne, einen eigenen Referenzzinssatz als Alternative zum Euribor aufzulegen. Nach einem Beschluss des EZB-Rates soll der neue Referenzzinssatz für täglich fällige unbesicherte Einlagen „Ester“, kurz für Euro Short-Term Rate, heißen, teilte die Notenbank vor kurzem mit. Der Zinssatz ergänze bestehende Referenzzinssätze des privaten Sektors und diene als Backstop-Benchmark, heißt es weiter. Nach früheren Angaben soll er vollständig auf von Banken gemeldeten Transaktionen in Euro beruhen.
An Referenzzinsätzen orientieren sich zahlreiche Finanztransaktionen im Billionen-Euro-Volumen. Negative Schlagzeilen machten der Euribor und sein britisches Pendant Libor, nachdem sich Manipulationsvorwürfe verfestigten. Jahrelang sollen namhafte Banken sie zu ihrem Vorteil manipuliert haben. Deshalb soll das bestehende System reformiert werden.
Referenzzinssätze müssen bald auf Transaktionsdaten beruhen
Die EU-Benchmark-Verordnung besagt, dass die Referenzzinssätze, die innerhalb des EU-Binnenmarkts herangezogen werden, um Werte und Zahlungsströme von Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten zu bestimmen, bis Ende 2019 auf Transaktionsdaten basieren müssen. Der Euribor, den Treasurer neben dem Libor oft in ihren Kreditverträgen und bei Hedging-Geschäften nutzen, setzt sich aber bislang lediglich aus Einschätzungen von Banken zusammen.
Eine entsprechende Reform des Euribor ist im Frühjahr vergangenen Jahres gescheitert. Unter den aktuellen Marktbedingungen sei es nicht möglich, die aktuelle Euribor-Methodik auf ein vollständig transaktionsbasiertes Modell umzustellen, teilte das European Money Markets Institute (Emmi) damals mit. Dieses Scheitern war für die EZB Grund genug, über eine eigene Alternative zum Euribor nachzudenken. Im September 2017 fiel schließlich die Entscheidung, solch eine Alternative bis 2020 einzuführen. Er sei als Ergänzung zum Eonia gedacht, hieß es damals seitens der EZB.
Info
Mit der Themenseite Referenzzinssätze – die Nachfolge von Libor und Euribor halten wir Sie über die Umstellung der Referenzzinssätze auf dem Laufenden.
Sabine Paulus ist Redakteurin bei DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Finanzierung, Fintechs sowie Personal und Organisation im Treasury.

