Das Pharmaunternehmen Grünenthal versucht zum zweiten Mal in diesem Jahr, eine Anleihe zu platzieren.

Grünenthal

20.04.21
Finanzen & Bilanzen

Grünenthal startet zweiten Anlauf für Finanzierung

Grünenthal ist gerade dabei, eine Anleihe über 500 Millionen Euro zu platzieren. Ist der zweite Versuch einer Finanzierung erfolgreicher als der erste? Im Februar scheiterte offenbar eine Transaktion mit der Deutschen Bank.

Das Pharmaunternehmen Grünenthal versucht derzeit, eine Anleihe zu platzieren. Das geht aus Berichten der beiden Ratingagenturen Moody’s und Fitch hervor. Moody‘s bewertet das Familienunternehmen aus Aachen zum ersten Mal mit B1 (Corporate Rating). Das Rating für den angekündigten Bond über insgesamt 500 Millionen Euro mit einer Laufzeit bis 2026 sieht die Ratingagentur ebenfalls bei B1.

Update am 23. April um 11.00 Uhr:
Grünenthal hat das Pricing für seine Debütanleihe bekannt gegeben. „Aufgrund der starken Investorennachfrage wurde das ursprüngliche Angebotsvolumen um 150 Millionen Euro aufgestockt“, teilte das Pharmaunternehmen am heutigen Freitag mit. Damit hat der Bond ein Volumen von insgesamt 650 Millionen Euro. Die fünfeinhalbjährige Tranche über 400 Millionen Euro wird mit 3,625 Prozent verzinst. Die siebenjährige Tranche in Höhe von 250 Millionen Euro ist mit einem Kupon von 4,125 Prozent ausgestattet. Die Platzierung des Bonds soll am 5. Mai 2021 abgeschlossen sein.

Auch die Ratingagentur Fitch hat Grünenthal ein langfristiges Emittenten- und Anleiherating für den geplanten Bond zugewiesen. Mit BB fällt das langfristige Emittentenrating bei Fitch sogar um zwei Stufen besser aus als bei Moody’s. Das Anleiherating für den geplanten Bond liegt mit BB+ sogar drei Notches darüber.

Grünenthal holt für Anleihe erstmals Ratings ein

Mit dem Einholen der Kreditratings versucht das Familienunternehmen Grünenthal, dessen Treasury seit Anfang 2017 Klaus Gerdes leitet, offenbar seinen Kapitalmarktzugang zu verbessern. Denn geratete Unternehmen können durch die Bewertung einer unabhängigen Ratingagentur erfahrungsgemäß leichter den Kapitalmarkt anzapfen als Emittenten ohne Rating und müssen kleinere Preisnachlässe hinnehmen. Der Nachteil: Die Unternehmen müssen regelmäßig ihren Publikationspflichten nachkommen, was insbesondere Familiengesellschaften wie Grünenthal häufig scheuen.

Dass es ungeratete Unternehmen schwerer haben, eine große Finanzierung zu platzieren, musste Grünenthal dieses Jahr schon selbst erfahren. Dem Nachrichtendienst „Bloomberg News“ zufolge war die Deutsche Bank im Februar dieses Jahres damit gescheitert, Anleihen über mehrere hundert Millionen Euro für Grünenthal zu platzieren.

Der Grund: Die Banker stießen dem Bericht zufolge in einer ersten Sondierungsrunde bei potenziellen Investoren nicht auf ausreichend Nachfrage. Einige Fondsmanager seien bei Grünenthal aufgrund von Gefahren durch mögliche Abhängigkeiten und Missbrauch von Opioiden, zurückhaltend, heißt es in dem Medienbericht weiter. Hintergrund: Das Familienunternehmen produziert Schmerzmittel wie das Opioid Tramadol und setzte damit 2020 1,3 Milliarden Euro um.

Allerdings bestreitet das Unternehmen selbst auf Anfrage von DerTreasurer, dass es bereits einen Anlauf für eine Bond-Platzierung gegeben hat. Offenbar handelte es sich um ein andersgeartetes langfristiges Finanzierungsinstrument, das im Februar angedacht war, wie DerTreasurer aus Finanzkreisen erfahren hat.

Grünenthal verlängerte langfristige Kredite

Nach dem Scheitern dieser Transaktion hatte Grünenthal stattdessen im Februar dieses Jahres die Laufzeiten seiner langfristigen Kredite („Term Loans“) in Höhe von insgesamt 535 Millionen Euro bis 2023 und 2024 verlängert.

„Die Fälligkeiten des Term Loan sind nun auf die Fälligkeit der Revolving Credit Facility von Grünenthal abgestimmt, was das Fälligkeitsprofil der Schulden weiter verlängert“, teilte das Familienunternehmen Mitte Februar mit. Mehr als 60 Prozent von Grünenthals Kreditfazilitäten würden nun im Jahr 2024 oder später fällig. Zwei Tage zuvor hatte das Familienunternehmen mitgeteilt, den Kauf der europäischen Rechte am Cholesterinsenker Crestor von AstraZeneca über bis zu 350 Millionen US-Dollar (290 Millionen Euro) abgeschlossen zu haben.

Grünenthal will Kredite und Schuldschein ablösen

Mit dem Emissionserlös der geplanten Anleihe will das Pharmaunternehmen dem Moody’s-Report zufolge 210 Millionen Euro aus bestehenden Verbindlichkeiten zurückzahlen. Diesen Betrag hatte das Unternehmen im Zuge der Crestor-Übernahme aus seiner 400 Millionen Euro hohen und bis 2026 laufenden revolvierenden Kreditlinie in Anspruch genommen.

Darüber hinaus plant das Familienunternehmen noch, Schuldscheine in Höhe von 150 Millionen Euro, die im kommenden Jahr fällig werden, und die Hälfte des bestehenden Term Loans A in Höhe von insgesamt 92,5 Millionen Euro, der im November 2023 ausläuft, zu refinanzieren. Im Februar hatte Grünenthal Bloomberg-Daten zufolge Kredite und Schuldscheindarlehen im Wert von 935 Millionen Euro ausstehen, die ab diesem Jahr fällig werden.

Insgesamt verfügt das Pharmaunternehmen laut Moody’s über eine „gute Liquidität“ verbunden mit einer „beträchtlichen“ Cash-Position von 167 Millionen Euro zum 31. Dezember 2020 (pro forma Crestor-Akquisition und -Refinanzierung). Die Ratingagentur rechnet damit, das Grünenthal einen freien Cashflow von 100 Millionen Euro jährlich generieren wird.

Paulus[at]derTreasurer.de 

Update am 20. April um 18:00 Uhr:
In einer ersten Version des Artikels war davon die Rede, dass Grünenthal schon einmal versuchte, ein Anleihe zu platzieren. Nach Recherchen von DerTreasurer war damals eine andersgeartete langfristige Finanztransaktion angedacht, also keine Anleihe.