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14.06.21
Finanzen & Bilanzen

Was ist los bei Nat West Markets?

Prominente Personalabgänge, weniger neue Kredite: Das Investmentbanking von Nat West befindet sich in der DACH-Region offenbar auf Schrumpfkurs. Das ist von der Mutter so gewollt.

Nat West Markets soll schrumpfen. Dieser Anfang 2020 von der damals neuen Chefin Alison Rose ausgegebenen Marschrichtung lässt die Investmentbanking-Sparte der früheren Royal Bank of Scotland (RBS) zunehmend Taten folgen. Die Einheit will ihre Niederlassung in Madrid schließen, die Aktivitäten in Mailand sollen zurückgefahren werden. Das berichtete Bloomberg vor wenigen Tagen.

In Frankfurt hat Nat West Markets dem Vernehmen nach noch 50 Leute an Bord, allerdings gab es zuletzt einige prominente Abgänge zu verzeichnen: Mit Anthony Bryson hat der Deutschlandchef der Bank Ende vergangenen Jahres den Rücken gekehrt. Der erfahrene Kapitalmarktspezialist arbeitet nun für die japanische Sumitomo Mitsui Banking Corporation. Mit Harald Drachenberg und Uli Eger haben in diesem Jahr zudem zwei weitere deutschsprachige Banker Nat West Markets verlassen.

Michael Strafuss ist neuer Deutschlandchef

Neueinstellungen gab es im Gegenzug offenbar nicht. Die Aufgaben von Bryson wurden jedenfalls aufgeteilt: Seit Ende März fungiert Michael Strafuss als Deutschlandchef. Der Experte für Fixed Income, Currencies and Commodities (FICC) ist seinem Linkedin-Profil zufolge seit November 2017 für Nat West tätig – zunächst von London aus, seit April 2019 arbeitet er aus Frankfurt.

Vorher war Strafuss rund acht Jahre bei Goldman Sachs. Brysons Aufgaben als Head of Corporate Coverage, Debt & Financing Solutions in der DACH-Region hat Merijn Nederveen übernommen. Der Niederländer, der seinem Linkedin-Profil zufolge aus Amsterdam arbeitet, hatte den Bereich bereits für die Region Benelux geleitet.

Nat West fährt Neukreditvolumen zurück

Nicht nur personell ändert sich einiges, auch bei der Kreditvergabe an Kunden in der DACH-Region agiert Nat West verhaltener – und damit bietet sich auch für die Investmentbanking-Sparte weniger Cross-Sell-Potential. Schließlich gilt die Beteiligung an syndizierten Krediten bei vielen Unternehmen als Eintrittskarte ins Bankenkonsortium.

Zahlen des Datenanbieters Refinitiv zeigen, dass sich die Bank 2020 als Mandated Lead Arranger an 13 syndizierten Krediten in der DACH-Region beteiligte. Das ausgereichte Volumen belief sich dabei auf rund 1,9 Milliarden US-Dollar (Marktanteil 1 Prozent). 2019 hatte dieser Wert noch bei 17 Deals und 3,5 Milliarden US-Dollar gelegen (Marktanteil 1,5 Prozent). 2017 waren es 3,9 Milliarden verteilt auf 20 Deals (Marktanteil 2,23 Prozent).

Der Risikoappetit der Bank sinkt also – kein Wunder, denn mittelfristig sollen die Risk Weighted Assets (RWA) der Investmentbanking-Sparte von 38 Milliarden Pfund (2019) auf 20 Milliarden fast halbiert werden.

Dem Eindruck von Beobachtern, dass kontinentaleuropäische Corporates nicht mehr im Fokus stünden, tritt Nat West Markets gegenüber DerTreasurer entgegen: „Es gibt keine Pläne, unsere Kundenbasis in Kontinentaleuropa zu schrumpfen.“ Das europäische Geschäft bleibe ein „wichtiger Teil“ der Strategie. Gleichwohl: Teil der Neuaufstellung der Investmentbank sei, „das effizienteste Coverage-Modell für unser Business in Europa“ festzulegen. Für ein ausführliches Interview stand die Bank nicht zur Verfügung.

Buchholz[at]derTreasurer.de