Wie geht es weiter am Schuldscheinmarkt und welche Auswirkungen hat die Coronakrise?

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18.08.20
Finanzen & Bilanzen

Wird der Schuldschein unattraktiv?

Der Schuldscheinmarkt war in diesem Jahr deutlich weniger aktiv als sonst. HSBC-Experte Ingo Nolden spricht mit DerTreasurer über die Gründe dafür und die aktuellen Entwicklungen an dem Markt.

 

Das Schuldscheinvolumen ist im ersten Halbjahr Corona-bedingt um 42 Prozent eingebrochen. Für den weiteren Jahresverlauf rechnet HSBC zwar mit einem leicht positiven Trend. Dass der Markt aber so aktiv wie vor der Coronakrise werden wird, glaubt Ingo Nolden, DCM-Chef bei HSBC in der DACH-Region, nicht. „Man sieht derzeit deutlich, dass es Unternehmen ohne externes Rating schwerer haben, einen Schuldschein zu platzieren", sagt der Experte.

Der Grund: „Die klassischen Schuldscheininvestoren sind derzeit zurückhaltender als sonst.“ Zum einen agierten sie, wie auch Investoren in anderen Segmenten, in der Krise selektiver, zum anderen seien zum Beispiel die Spar- und Volksbanken schlicht in der traditionellen Kreditvergabe vor Ort stärker aktiv als vor Corona und suchten somit nicht mehr annähernd so aktiv nach alternativen Anlagemöglichkeiten.

Emittenten kommen Investoren nicht entgegen

Dass es im zweiten Halbjahr nach Noldens Einschätzung keinen Run auf den Schuldscheinmarkt geben wird, liege auch an den Emittenten. „Viele der klassischen Schuldscheinnutzer sind derzeit nicht bereit, den risikoscheueren Investoren entgegenzukommen“, so der Experte. Viele lehnten Financial Covenants weiterhin strikt ab und wollten auch preislich das Maximum für sich herausholen.

Das sei im Einzelfall zwar nachvollziehbar. „Langfristig ist das aber keine gute Entwicklung für den Markt, da er so in Phasen mit höheren Risiken auszutrocknen droht. Dabei ist eigentlich genug Liquidität da“, sagt Nolden. Er sieht es zudem kritisch, dass einige Arranger-Banken den Emittenten von Schuldscheinen Underwritings anbieten, um für Transaktionssicherheit zu sorgen. „So sind die Emittenten nicht gezwungen, sich den neuen Realitäten im Markt zu stellen“, argumentiert er.

Restrukturierung werden in den Fokus rücken

Nolden befürchtet, dass diese Entwicklungen den Schuldschein für Investoren - insbesondere für internationale und institutionelle - langfristig weniger attraktiv machen könnten. Somit könnte die dynamische und positive Entwicklung des Marktes der vergangenen Jahre über den Corona-Schock hinaus Schaden nehmen.

Auch die Restrukturierung von Schuldscheinen dürfte wieder stärker in den Fokus rücken. „Derzeit sehen wir natürlich viele Waiver Requests“, so Nolden. Das sei beim Schuldschein nicht anders als bei anderen Finanzierungsformen. „Da aber zum Beispiel die Automotive-Branche historisch sehr stark im Schuldscheinmarkt vertreten ist, gibt es hier sicherlich ein erhöhtes Risiko für Ausfälle angesichts der Herausforderungen, die der Sektor neben der aktuellen Coronakrise zu meistern hat“, ergänzt er.

„Zugutekommt dem Markt allerdings, dass die Arranger in den vergangenen Jahren viel Disziplin darin bewiesen haben, die Qualität der Emittenten insgesamt hoch zu halten“, meint Nolden.

Koegler[at]derTreasurer.de

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