Das Energieunternehmen Securing Energy for Europe (Sefe) hat eine fünfjährige Kreditlinie in Höhe von 1,8 Milliarden Euro mit Erhöhungsoption auf 2,6 Milliarden Euro abgeschlossen. Das Bankenkonsortium für die Finanzierung bestand aus 22 Banken, darunter die ING und Crédit Agricole.
Sefe gehört zu Deutschlands Schlüsselunternehmen für die Gasversorgung und befindet sich derzeit im Eigentum des Bundes. Früher war das Berliner Unternehmen Teil des russischen Staatskonzerns Gazprom und firmierte unter dem Namen Gazprom Germania. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine war im April 2022 zunächst die Bundesnetzagentur als Treuhänderin bei Sefe eingesetzt worden.
Sefe geriet in finanzielle Schieflage
Anlass hierfür war eine Ankündigung von Gazprom, sich von Gazprom Germania zu trennen und die Firma zu liquidieren. Neue Eigentümer sollten die russischen Firmen JSC Palamary und Gazprom Export Business Services sein. Bereits für den Verkauf an die russischen Unternehmen hätte Gazprom jedoch die Erlaubnis des Wirtschaftsministeriums einholen müssen. Das war nicht geschehen und die Bundesregierung stellte Gazprom Germania wegen des Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz unter staatliche Aufsicht.
Im Mai 2022 geriet die ehemalige Gazprom-Tochter dann durch russische Sanktionen zusätzlich unter Druck. Wegen der ausgefallenen Gaslieferungen aus Russland und der notwendigen Ersatzbeschaffungen zu hohen Marktpreisen musste Sefe durch ein KfW-Darlehen in Höhe von insgesamt 11,8 Milliarden Euro gestützt werden. Im Juni 2022 erfolgte die Umfirmierung in Securing Energy for Europe GmbH. Zur Sicherung der deutschen Gasversorgung wurde das Unternehmen schlussendlich im November 2022 vollständig in das Eigentum des Bundes überführt.
Rückkehr an den Bankenmarkt
Der neue Kredit markiert nun „die Rückkehr [von Sefe] auf den kommerziellen Bankenmarkt und stellt damit einen entscheidenden Schritt in der finanziellen Transformation im Vorfeld der geplanten Re-Privatisierung dar“, heißt es in einer Pressemitteilung von Crédit Agricole zur Transaktion. Wann der Bund bei Sefe aussteigen wird, ist bisher nicht bekannt. Im Jahr 2022 hieß es aus Regierungskreisen, man werde „mindestens noch bis zum Ende des Winters 2023/2024“ Eigentümer bleiben. Eine Privatisierung komme erst in Betracht, wenn sich die Gasmärkte dauerhaft beruhigt hätten.
Mit dem neuen Kredit sollen nun Verbindlichkeiten des von Sefe vollständig übernommenen Gasnetzbetreibers Wiga refinanziert werden. Sefe hatte die noch ausstehenden 50,2 Prozent der Wiga-Anteile im August 2024 vom ehemaligen Joint-Venture-Partner Wintershall Dea erworben. Zudem sollen allgemeine Unternehmenszwecke der Transportsparte und weitere Investitionen in Transportprojekte im Energiesektor finanziert werden.
Lea Teckentrup ist Redakteurin bei DerTreasurer und FINANCE. Zuvor arbeitete sie als Wirtschaftsjuristin im Bereich Debt Capital Markets in einer internationalen Großkanzlei. Sie hat Wirtschaftsrecht im Bachelor und im Master an der Universität Osnabrück sowie an der Universität Siegen studiert.

