Deutsche Industriekrise schlägt auf Treasury-Recruiting durch

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Deutsche Kernbranchen wie Automobilzulieferer oder der Maschinen- und Anlagenbau befinden sich in einem tiefen Strukturwandel. Besonders die Automobilbranche macht derzeit durch Umsatz- und Ergebnisrückgänge von sich reden. Während Konzerne wie VW, BMW und Mercedes noch in Cash schwimmen, geht es bei manchem Zulieferer ums nackte Überleben.

Treasury-Kandidaten sind wählerisch

Derzeit verhandelt Webasto aus Stockdorf mit seinen Banken um eine weitere Finanzierung, dort hatte sich ein Millionenloch aufgetan. Andere Zulieferer sind bereits in die Insolvenz gerutscht. Auch laut dem Restrukturierungsbarometer von FINANCE rangieren die Automobilhersteller und -zulieferer ganz oben auf der Liste der Krisenfälle.

Schlägt diese Branchenkrise auch auf Treasury-Jobs durch? „Der Kandidatenmarkt ist sehr wählerisch“, beobachtet Rudolf Schlett vom gleichnamigen Personalberater. „Die Industrie ist derzeit nicht so stark gefragt“, ergänzt er. Früher waren viele spannende und hochdotierte Jobs gerade in der Automobilindustrie zu finden, doch das könnte sich jetzt ändern. Denn dort herrscht Sparzwang. Bei Mercedes-Benz und Daimler Truck wurden nach dem Spin-off zudem häufig Aufgaben im Treasury-Bereich zusammengelegt, so dass sich die Finanzmanager heute mit einer Vielzahl von Themen konfrontiert sehen.

Viele Treasurer scheuen das Wechselrisiko

Und: Noch ist nicht ausgemacht, wie es mit der Branche in Deutschland weitergeht. Welche Rollen spielen Elektromobilität und Verbrenner in der Zukunft? Wird in Deutschland gefertigt? Welche Produktionen werden verlagert? Wie verändern sich der internationale Wettbewerb und die Zölle? Alles ist ein Reigen aus offenen Fragen.

Zu der Branchenkrise kommen beim Recruiting von Treasurern weiter Themen hinzu, die schon länger eine Rolle spielen. „Treasurer sind eher immobil“, hat Berater Schlett beobachtet. Wenn sie mal eine gute Position gefunden hätten, neigten sie oft nicht zum schnellen Wechsel. „Viele wollen momentan kein Risiko eingehen“, so Schlett. Benachteiligt seien außerdem strukturschwache Gebiete, also nicht die Metropolen. Dorthin ließen sich Spezialisten oft noch schwieriger locken als in städtische Gebiete.

Markus Dentz ist Chefredakteur von DerTreasurer und der Fachzeitschrift FINANCE. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury.