Agile Arbeitsmethoden können überall genutzt werden – auch im Treasury.

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10.11.21
Persönlich & Personal

Agilität hält Einzug ins Treasury

Agile Arbeitsweisen sind aus der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Auch Treasury-Abteilungen arbeiten schon damit. Das Familienunternehmen Marquard & Bahls hat sogar seinen Head of Group Treasury zum agilen Coach ausbilden lassen.

Agile Arbeitsweisen halten zunehmend Einzug in die heutige Arbeitswelt – auch im Treasury. So gehören Daily Stand-ups, Backlogs und Retrospektiven im Treasury von Marquard & Bahls mittlerweile zum Alltag. „Agile Werte haben nicht nur in der Softwareentwicklung einen Platz, sie sind in jeder Organisation sinnvoll und in jedem Team nutzbar“, sagt Marco Hahn, Head of Group Treasury des Hamburger Familienunternehmens, dessen Portfolio unter anderem Tanklagerlogistik und Energiehandel umfasst.

Hahn ist einer von insgesamt sieben Mitarbeitern von Marquard & Bahls, die sich seit Mitte 2019 zum agilen Coach haben ausbilden lassen. Die Ausbildung habe insgesamt ein halbes Jahr gedauert, berichtet der Group Treasurer: „Mehrere Anbieter haben uns in sechs Blöcken à zwei Tagen verschiedene agile Methoden und Arbeitsweisen vorgestellt. Diese Denkweise und Einstellung möchten wir nun in das Unternehmen tragen.“

Agilität im Treasury hilft bei Transformation

In seinem vierköpfigen Treasury-Team in der Holding von Marquard & Bahls nutzt der Treasury-Chef diese Arbeitsweise bereits: „Marquard & Bahls befindet sich aufgrund der Energiewende derzeit in einer Unternehmenstransformation. Wir wollen als strategischer Investor im Bereich Energie und Chemie aktiv werden und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren. Das hat auch Folgen für das Treasury.“

Früher sei das Treasury zentral aufgestellt und mit 20 bis 25 Mitarbeitern sehr groß gewesen, berichtet Hahn. Seit diesem Sommer seien die einzelnen Geschäftsbereiche des Familienunternehmens – die Handelsorganisation Mabanaft und der Tanklagerlogistikdienstleister Oiltanking –  für ihre Treasury-Aufgaben selbst verantwortlich, um so die Eigenständigkeit der operativen Einheiten zu stärken.

Das Treasury der Holding, das Hahn leitet, arbeitet dagegen nur noch zu einem sehr geringen Teil operativ. „Wir verstehen uns vielmehr als strategischer ,Architekt', der in Unternehmen investiert“, sagt Hahn. Dadurch verändere sich das Treasury der Holding im Vergleich zum klassischen Corporate Treasury eines Industrieunternehmens. So liege der Fokus auf dem Management der Unternehmensbeteiligungen.

Bei dieser Transformation habe die agile Denkweise geholfen. „Wir planen nicht mehr monatelang im Hintergrund, bis wir etwas umsetzen, sondern hinterfragen regelmäßig und in kurzfristigen Zyklen, was wir tun“, sagt Hahn. Das gelte in der Finanzierung wie in der Softwareentwicklung.

Paulus[at]derTreasurer.de