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26.05.21
Persönlich & Personal

Wirecard: Treasury am Abgrund

Zwischen Verzweiflung und Galgenhumor: In den letzten Wochen vor dem Zusammenbruch von Wirecard lagen in der Treasury-Abteilung des Zahlungsdienstleisters die Nerven blank. Das zeigen die Telegram-Chats von Ex-Treasurer Thorsten Holten.

„Ich weiß nicht mehr, was und wem ich noch glauben kann.“ Diese Telegram-Nachricht schreibt Thorsten Holten, der damalige Treasurer von Wirecard, am 21. Juni 2020 an einen Kollegen. Es ist ein Sonntag – vier Tage, bevor der Zahlungsdienstleister Insolvenz anmelden wird, weil 1,9 Milliarden Euro spurlos verschwunden sind. Wie sich später herausstellen wird, hat das Geld aus dem angeblich lukrativen Drittpartner („TPA“)-Geschäft nie existiert.

Wie hat sich das Treasury in den Wochen vor der Pleite verhalten? Wie wurde über die kreditgebenden Banken, das Vorgehen des Wirtschaftsprüfers EY und die Chefs Markus Braun, Alexander von Knoop und Jan Marsalek gesprochen? Einblicke dazu liefert der Telegram-Chatkanal von Treasury-Chef Thorsten Holten, den FINANCE, eine Schwesterpublikation von DerTreasurer, einsehen konnte.

Auf der Suche nach 1,9 Milliarden Euro

Die rund 1.000 Seiten, die FINANCE ausgewertet hat, zeigen, wie in der Finanzabteilung zunehmend die Nerven blank liegen – und die Sorge mit Blick auf die Liquidität wächst. Etwa einen Monat bevor Wirecard Insolvenz anmelden muss, schreibt Holten einem Kollegen: „für unseren zukünftigen cash out habe ich keine liquiqellen mehr, es muss also liqui vom TPA business fliessen oder ne Kapitalerhöhung von 10%“.

Auch CEO Markus Braun wird offenbar nervös und setzt das Treasury zunehmend unter Druck, Geld zu beschaffen, wie die Chat-Protokolle zeigen: „Jetzt stalkt er [Braun] mich hier im Minutentakt“, schreibt Holten einem Mitarbeiter. Der ehemalige Treasury-Chef wollte sich zu den Chats mit Verweis auf die laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegenüber FINANCE nicht äußern. Den kompletten Artikel inklusive zahlreichen Dialogen Holtens mit Kollegen und Mitarbeitern können Sie hier lesen (Paid Content).

Redaktion[at]derTreasurer.de