Der Ausfinanzierungsgrad der Dax-Pensionswerke hat 2024 mit 82 Prozent einen Höchstwert innerhalb der vergangenen zehn Jahre erreicht. Das zeigt eine Analyse des Beratungshauses WTW. Für den Höchststand sorgte nicht zuletzt die gute Entwicklung an den Kapitalmärkten: Die Planvermögen sind um 1,6 Prozent auf 262 Milliarden Euro gewachsen. Rückenwind gab es auch durch die Entwicklungen des Rechnungszinses. Der konnte besonders im ersten Halbjahr zulegen und lag insgesamt elf Basispunkte über dem Vorjahr. Dies führte zu einem leichten Rückgang der Pensionsverpflichtungen um 1,8 Prozent auf 320 Milliarden Euro.
Für die Studie wurden 31 Berichte der 40 Dax-Unternehmen ausgewertet. Die höchsten Verpflichtungen haben VW (45,5 Milliarden Euro), Siemens (28,7 Milliarden Euro) und Allianz (22,2 Milliarden Euro). „Zum Beispiel hat Volkswagen auch in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld im vergangenen Jahr in sein Pensionsvermögen investiert. Das sieht nach einem klaren Signal für die Relevanz der baV aus“, fasst Hanne Borst, Leiterin Retirement Deutschland bei WTW, zusammen.
Pensionswerke stocken bei Alternatives auf
Die Asset Allocation zeigt sich stabil. „Wir sehen keine größeren Verschiebungen. Man kann leichte Zuwächse abseits der traditionellen Assetklassen erkennen, etwa im Bereich der Private Markets oder Infrastrukturinvestments“, erklärt Johannes Heiniz, Leiter General Consulting bei WTW. Auch bei der regionalen Verteilung zeigen sich noch keine Verschiebungen: Deutsche Portfolien sind in der Regel US- und europalastig mit asiatischer Beimischung. „Da ist natürlich nur ein eingeschränkter Blick nach vorne möglich, aber Stand jetzt gibt es keine großen Umstrukturierungen“, so Heiniz.
Für 2025 er warten die Experten eine hohe Volatilität. „Politische Entscheidungen werden Rechnungszins und Kapitalmarkt beeinflussen und ein robustes Pensionsmanagement der Unternehmen erfordern“, betont Hanne Borst. Wie groß der Einfluss ist, zeigte sich bereits im ersten Quartal mit der Ankündigung des milliardenschweren Finanzpakets des Bundes.
Das führte zu einem Anstieg der Renditen bei langlaufenden Anleihen und damit laut WTW zu einem Anstieg des Rechnungszinses von mehr als 40 Basispunkten. „Der Rechnungszins ist der Parameter mit dem größten Einfluss auf die Pensionsverpflichtungen. Eine marktbedingte Veränderung des Rechnungszinses um einen Prozentpunkt führt zu einer Veränderung der Pensionsverpflichtungen um circa 10 Prozent“, erläutert Borst. Für viele Unternehmen sei der Anstieg aber weniger materiell, da für sie der Stichtag 31. Dezember bei der Betrachtung des Rechnungszinses zähle.
Antonia Kögler ist Redaktionsleiterin bei DerTreasurer. Sie schreibt über Finanzierung und Asset Management und verfolgt alle Entwicklungen rund um das Thema Sustainable Finance.

