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31.01.19
Risiko Management

Der Hype um die Blockchain kühlt ab

Die Strategieberatung McKinsey zweifelt am Potential der Blockchain-Technologie für die Finanzbranche. Andere Berater sind optimistischer. Klar ist: Rechtliche Hürden sorgen für Probleme.

Die anfängliche Euphorie um den Einsatz der Blockchain-Technologie in der Finanzbranche ist abgekühlt. „Der Hype ist vorbei, und das ist gut so“, sagt Robert Bosch, Partner bei Bearing Point. „Jetzt wird sachlich darüber debattiert, in welchen Bereichen die Technologie echte Vorteile bietet.“ Aus seiner Sicht sind das Felder, die sich durch viele Marktteilnehmer, Intransparenz, aber relativ einfache Datenstrukturen auszeichnen. „Diese Bereiche profitieren vom dezentralen Ansatz der Blockchain und die Unveränderbarkeit der Daten“, ist Bosch überzeugt.

Deshalb warnt der Berater davor, das Potential zu unterschätzen. Bearing Point hat kürzlich mit der KfW ein Projekt gestartet, das es der Bank erlaubt, mit Hilfe einer Blockchain-Anwendung den Fluss von Fördermitteln in exotischen Ländern zu überwachen.

Auf der Corporate-Seite beobachtet Bosch dagegen Akzeptanzprobleme: „Viele Unternehmen sind nicht bereit, das nötige Know-how aufzubauen und die Investitionen zu stemmen, die es braucht, um mit der Technologie zu arbeiten.“ Schließlich ändern sich durch ihren Einsatz die Prozesse. Beispiel: Falls Derivateverträge künftig in einer Blockchain-Architektur hinterlegt werden sollten und Zahlungen per Smart Contract automatisch ausgelöst würden, erforderte dies auch die Systemanpassung der Unternehmen.

Einsatz der Blockchain scheitert an rechtlichen Fragen

Das ist jedoch Zukunftsmusik. Die meisten Projekte befinden sich noch im Pilotstatus. Das liegt auch daran, dass der rechtliche Rahmen fehlt. „Die größten Baustellen liegen im Zivilrecht“, meint Christian Schmies, Partner bei der Anwaltskanzlei Hengeler Mueller. Bislang fehle in Deutschland ein kohärenter rechtlicher Rahmen, um bestimmte Vermögenswerte über die Blockchain abzubilden und zu übertragen.

„Dafür bedarf es Änderungen am Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), etwa der Einführung einer elektronischen Schuldverschreibung und Anpassungen im Aktien- und Depotrecht“, so der Anwalt. Technisch lassen sich Eigentumsverhältnisse sowie deren Übertragung über sogenannte Tokens längst darstellen.

„Die größten Baustellen liegen im Zivilrecht.“

Christian Schmies, Partner bei Hengeler Mueller

Während Liechtenstein, Malta und die Schweiz gerade die rechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz der Blockchain im Finanzsektor schüfen, hinke Deutschland hinterher, konstatiert Schmies: „Es fehlt bislang wohl am politischen Willen, die Entwicklung durch flankierende Gesetzgebung in Deutschland nachhaltig voranzutreiben.“ Allerdings gebe es zarte Fortschritte: So befassten sich Schmies zufolge inzwischen auch Regierungskreise mit diesen Fragestellungen.

Die aufsichtsrechtlichen Fragestellungen hält der Anwalt für lösbar, weil sie EU-weit geregelt werden könnten: „Der Gesetzgeber könnte die Definition eines Finanzinstruments in der Mifid II um bestimmte Tokens ergänzen“, meint Schmies. Mit einer zeitnahen Umsetzung rechnet der Kapitalmarktexperte aber auch hier nicht.

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