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05.11.18
Risiko Management

Nur wenige Treasurer haben Brexit-Notfallplan

Der Brexit rückt näher, und die Gefahr eines chaotischen EU-Austritts Großbritanniens wächst. Auf ein solches Szenario bereiten sich allerdings nur wenige Treasurer vor.

In knapp fünf Monaten soll Großbritannien aus der EU austreten. Allerdings ist noch immer völlig unklar, wie der Brexit am 29. März konkret ablaufen soll – geschweige denn, wie das Verhältnis zwischen Brüssel und London danach aussehen wird. Viele Finanzverantwortliche sehen dem Brexit dennoch erstaunlich gelassen entgegen. Das zeigt eine Umfrage von DerTreasurer unter 65 Treasurern, die von Ende September bis Mitte Oktober stattfand.

Demnach fühlen sich knapp zwei Drittel der Befragten für das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU gut gerüstet. Jeder fünfte Befragte ist nur teilweise zufrieden mit dem eigenen Vorbereitungsstand. Lediglich 5 Prozent geben an, sie fühlten sich nicht gut gerüstet. Dazu passt, dass 71 Prozent der Befragten keinen Notfallplan für den Fall haben, dass es im kommenden Frühjahr zu einem ungeregelten Brexit kommt. Das könnte sich rächen, denn ohne eine Übergangsfrist droht ein Chaos an den Märkten, warnen Experten.

Allerdings gibt es noch eine ganze Reihe offener Fragestellungen, worauf einige Finanzverantwortliche in der Umfrage auch hinwiesen: Besonders auf den Nägeln brannte den Befragten der Umgang mit Derivatetransaktionen, die mit Banken in London geschlossen wurden. Viele Großbanken steuern ihr Derivategeschäft bislang aus London heraus und verlagern dies nun auf eine Gesellschaft innerhalb der EU-27-Staaten. Die Neuverhandlung der Rahmenverträge bedeutet Aufwand für die Treasurer. Zugleich ist unklar, ob transferierte Geschäfte weiterhin ins Hedge Accounting einfließen können und wenn ja, unter welchen Umständen.

Den Banken bescheinigen die meisten Befragten dagegen eine ordentliche Vorbereitung auf den anstehenden EU-Austritt Großbritanniens: Auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht) erhalten die Geldhäuser im Schnitt eine Note von 2,9. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, weshalb die meisten Treasury-Abteilungen keine Notfallpläne für ein No-Deal-Szenario für März 2019 geschmiedet haben: Sie verlassen sich darauf, dass ihre Banken Lösungen finden werden.

Lediglich jeder zehnte Befragte wird in Folge des Brexits teilweise Bankgeschäfte umschichten. Im Kern geht es dabei um Sicherungsgeschäfte sowie um Cash-Management-Angebote. Je nach Ausgestaltung des Brexits dürfen Banken Zahlungsdienstleistungen für die EU künftig nicht mehr aus London heraus anbieten. 60 Prozent der Befragten werden dagegen keine Bankgeschäfte verlagern. Fast jeder Fünfte hatte sich im Oktober nicht einmal mit dieser Frage befasst.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Wie betrifft der EU-Austritt Großbritanniens die Treasury-Abteilungen? Alle wichtigen Informationen finden Sie auf unserer Themenseite Brexit.