27.08.18
Risiko Management

Türkei-Krise: Terminmarkt ist ausgetrocknet

Die türkische Lira hat im Laufe des Jahres etwa die Hälfte an Wert verloren. Die Währung bleibt volatil, der Terminmarkt ist nahezu ausgetrocknet. Treasurer bleiben dennoch gelassen.

Die Lage in der Türkei ist angespannt: Seit Beginn dieses Jahres hat die Währung etwa 50 Prozent an Wert gegenüber dem Euro verloren. Allein am 10. August, als die USA Sanktionen ankündigten, brach die türkische Lira um 20 Prozent ein.

Für die mehr als 6.500 deutschen Unternehmen, die am Bosporus aktiv sind, hat das handfeste Folgen im Währungsmanagement: „Die Liquidität in den Terminmärkten ist derzeit sehr dünn, kaum eine Bank will kurzfristig neue Risiken auf die Bücher nehmen“, sagt Ulf Schmücker, Director Financial Markets Corporate Sales bei ING Wholesale Banking. Für Treasurer bedeutet das: Selbst wenn sie bereit wären, jetzt noch zu horrenden Kosten Sicherungsgeschäfte für die türkische Lira abzuschließen, würden sie derzeit kaum eine Gegenpartei finden.

Dennoch herrscht keine erhöhte Unruhe in den Finanzabteilungen, beobachtet der Banker. Das dürfte zum einen daran liegen, dass das Türkei-Exposure vieler Unternehmen mit Blick auf ihr Gesamtgeschäft vergleichsweise gering ist. Das gilt beispielsweise für die Autobauer BMW, Daimler und VW. Zum anderen hätten die deutschen Firmen aber auch vorgesorgt, meint Schmücker: „Viele Unternehmen finanzieren ihr Geschäft lokal in türkischer Lira oder können ihr FX-Exposure über Preisklauseln an ihre Kunden weiterreichen.“

Wieder andere Firmen rechnen vor Ort in Euro oder US-Dollar ab – und sind daher nicht unmittelbar vom Lira-Absturz betroffen. So macht es beispielsweise der Modehändler Hugo Boss, der sein größtes eigenes Werk in der Türkei unterhält.

Führt die Türkei Kapitalverkehrskontrollen ein?

Wer keine natürliche Absicherung hinbekommt, muss das FX-Risiko mit Derivaten hedgen. Angesichts des enormen Zinsdifferentials zwischen der Euro-Zone und der Türkei mit einem Leitzins von 17,75 Prozent war Hedging auch schon vor der aktuellen Krise teuer. Einige Firmen halten sich deshalb generell mit der Absicherung von Schwellenländerwährungen zurück – was die Unternehmen nun verwundbar macht.

Richtig unangenehm würde es im Falle eines Bank-Runs mit anschließenden Kapitalverkehrskontrollen. „Derzeit haben wir keine konkreten Anzeichen dafür, dass diese eingeführt werden, die Gefahr besteht aber durchaus“, meint Schmücker. Sollte es dazu kommen, wäre es für deutsche Konzerne kaum noch möglich, sich von ihren Türkei-Töchtern eine Dividende ausschütten zu lassen. Das wäre immer noch besser als der Worst Case: Einschränkungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr für Warenlieferungen.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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