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24.01.19
Software & IT

TMS-Anbieter Kyriba übernimmt Fireapps

Das M&A-Karussell im Treasury-Softwaremarkt dreht sich weiter: Der TMS-Anbieter Kyriba übernimmt das auf Währungsmanagement spezialisierte Fintech Fireapps. Für die deutschen Kunden von Fireapps soll sich nichts ändern, verspricht das Fintech.

Der französisch-amerikanische Treasury-Systemanbieter Kyriba meldet Wachstumsambitionen an und übernimmt Fireapps. Mit der Akquisition will sich Kyriba offenbar vor allem Zugang zur Technologie des FX-Fintech sichern: Ziel der Transaktion sei es, die fortschrittlichste und effektivste Lösung für einen vollintegrierten FX-Risikomanagementprozess zu bauen, teilte der auf Cloud-Anwendungen spezialisierte TMS-Anbieter mit.

Von der Sammlung, Aufbereitung und Konsolidierung der Daten über die Entscheidungsfindung bei Sicherungsgeschäften bis hin zum Reporting und Hedge Accounting will Kyriba künftig alles aus einer Hand bieten.

Wie viel Geld Kyriba für die Übernahme von Fireapps in die Hand nehmen muss, ist nicht bekannt. Fireapps wurde im Jahr 2000 von dem Deutsch-Amerikaner Wolfgang Koester und seinem Geschäftspartner Corey Edens gegründet. Die zwei Gründer hielten bislang die Mehrheit der Anteile, hatten aber auch Venture-Capital-Firmen ins Boot geholt. Koester, der das in Arizona ansässige Unternehmen als CEO führt, soll dem Vernehmen nach auch unter Neu-Eigentümer Kyriba an Bord bleiben.

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Kyriba spielt im deutschen TMS-Markt bislang keine Rolle

In Deutschland ist Kyriba bislang allerdings kaum präsent. Dabei hat der TMS-Anbieter, zu deren Anteilseignern nach fünf Finanzierungsrunden unter anderem die französische Investmentbank BPI France, der US-Finanzinvestor Sumeru und die HSBC gehören, sogar deutsche Wurzeln: Das Unternehmen wurde in den 1990er Jahren von der Commerzbank und XRT gegründet. Gemeinsam entwickelten die Unternehmen ein cloud-basiertes Cash-Management- und Treasury-Tool, das die Commerzbank ihren Kunden unter dem Namen Treasury Cockpit anbot.

Als diese Lösung durch ein Ecofinance-Tool ersetzt wurde, verlagerte Kyriba seinen Schwerpunkt in die USA und nach Frankreich. Im hart umkämpften und weitgehend gesättigten deutschen TMS-Markt spielt Kyriba seither kaum eine Rolle: Von den 78 im vergangenen Frühjahr von dieser Publikation befragten Treasurern hatte gerade einmal ein Umfrageteilnehmer Kyriba-Lösungen im Einsatz. Im Markt wurde daher bereits spekuliert, dass Kyriba sich den Zugang zum deutschen Markt mittelfristig über Übernahmen erkaufen könnte, was bisher noch nicht geschehen ist.

Fireapps will das FX-Management digitalisieren

Beim Fireapps-Zukauf dürfte der Zugang zum deutsche Markt allerdings nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Das Fintech verfügt weltweit zwar über eine dreistellige Anzahl an Kunden, wozu namhafte Konzerne wie Pfizer, Microsoft und Google gehören. In der DACH-Region, wo Fireapps seit 2014 mit einem fünfköpfigen Team um Managing Director Andreas Karthaus aktiv ist, liegt die Kundenzahl allerdings im niedrigen zweistelligen Bereich. Prominentester deutscher Nutzer ist der Dax-Konzern BASF.

Entscheidender dürfte für Kyriba daher der Zugriff auf die Fireapps-Technologie sein. Denn Fireapps positioniert sich in einem Feld, das derzeit viele Treasurer umtreibt: die Digitalisierung des Währungsmanagements auf Basis von Big-Data-Anwendungen. Fireapps zieht sich Daten aus dem ERP-System des Unternehmens, analysiert diese und bereitet sie so auf, dass Treasurer täglich das gebuchte FX-Risiko des Konzerns je Währungspaar oder je Tochtergesellschaft erkennen können.

Auf Basis des erfassten Exposure leitet die Software die notwendigen FX-Deals ab und speist sie automatisch in die Handelsplattform ein. Der Treasurer kann die Transaktion am Ende noch einmal prüfen und per Klick bestätigen.

Für Fireapps ist eine tiefe Integration in ERP- und TMS-Systeme der Unternehmen notwendig, weshalb das Kyriba-Netzwerk bei der Akquise neuer Kunden helfen dürfte. Der Anbieter bemüht sich aber zu versichern, durch die Übernahme von Kyriba werde die Zusammenarbeit mit anderen Treasury-Softwareanbietern nicht leiden: „Kunden, die ein anderes TMS nutzen, werden keine Auswirkungen spüren“, stellt Karthaus klar. Man werde weiterhin mit allen Anbietern zusammenarbeiten. Zugleich kündigte er an, Kyriba und Fireapps wollten gemeinsam „stark in den deutschen Markt investieren und die Präsenz hierzulande ausbauen“.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Was tut sich im Markt für Treasury-Software und welche Startups sind für Finanzabteilungen relevant? Informieren Sie sich auf unseren Themenseiten TMS-Anbieter und Fintechs im Treasury.

Wie arbeiten Firmenkunden-Fintechs und Banken zusammen? Eine umfangreiche Studie zu dem Thema mit Interviews von B2B-Fintechs wie Fireapps finden Sie bei unserer Schwesterpublikation FINANCE. Hier geht es zu den Ergebnissen.