Die aktuell fallenden Aktienkurse sorgen in den USA für Unruhe, die Inflationsaussichten sind schlechter geworden und das Konsumentenvertrauen hat gelitten. Selbst ein Stagflationsszenario scheint nicht mehr undenkbar. Das könnte Einfluss auf Entscheidungen der Fed haben. „Eine weitere Zinssenkung bereits im Sommer ist inzwischen eingepreist“, sagt FX-Experte Grischa Orlamünder von Barclays.
Mit Folgen für die Währung: Eigentlich war mit einem starken US-Dollar gerechnet worden, das Wort Parität machte die Runde. „Die Marktstimmung hat sich inzwischen zugunsten der gemeinsamen europäischen Währung und gegen den US-Dollar verschoben“, sagt er. Von zwischenzeitlich 1,02 ist man nun bei einem Kurs von circa 1,08 angekommen.
Nachfrage nach Währungsabsicherungen steigt
Dafür hat auch die Reaktion der Europäer auf den aggressiven Kurs der Amerikaner gesorgt, unter anderem die der Deutschen. „Am 3. März, als die Pläne für das Finanzierungspaket bekannt wurden, haben wir einen deutlichen Sprung in dem Kurs gesehen“, sagt Besart Shala, Deutschland-Geschäftsführer des Zahlungsverkehrsspezialisten Iban First.
Seitdem habe die Nachfrage nach Währungsabsicherungen wieder deutlich angezogen. Viele Kunden von Iban First seien KMU, die beispielsweise Rechnungen in US-Dollar in den nächsten Monaten zu begleichen hätten. „Sie arbeiten oft mit internen Kalkulationskursen von 1,07 oder gar 1,09. Seit wir diese Bandbreite beim Wechselkurs erreicht haben, sehen wir ein hohes Interesse, sich diese Preise fix einzuloggen“, erklärt er.
Frühzeitig mit Währungsrisiken beschäftigen
Auch Barclays-Experte Orlamünder rät, sich frühzeitig mit Währungsrisiken auseinanderzusetzen. „Bei Überlegungen zu den Auswirkungen von Strafzöllen auf den operativen Umsatz sollten parallel auch die potentiellen Effekte auf die Wechselkurse berücksichtigt werden.“ Als Faustregel könnten Strafzölle von 10 Prozent gegenüber der EU zu einer Abschwächung des Euro um bis zu 5 Prozent gegenüber dem Dollar führen.
„Für die Absicherung können neben Termingeschäften auch Optionsstrategien in Betracht gezogen werden. In der aktuell volatilen Lage bieten diese Instrumente deutlich mehr Flexibilität.“ Neben operativen Währungsrisiken sollten Treasurer auch die Absicherung von Bilanzpositionen im Blick haben. Hierzu gehören zum Beispiel ausländische Beteiligungen oder antizipierte Dividendenströme. Aber auch bei strategischen M&A-Transaktionen können erhebliche FX-Risiken bestehen. Für diese wiederum bieten sich sogenannte Deal-Contingent-Absicherungen an.
Eins ist klar: Die Volatilität wird bleiben. Zum Jahresende prognostiziert Barclays aktuell noch einen Euro-Dollar-Kurs von 1,04, auch wenn die neue Dynamik in Europa die Wahrscheinlichkeit für einen deutlichen Kursrückgang des Euro entsprechend reduziert.
Antonia Kögler ist Redaktionsleiterin bei DerTreasurer. Sie schreibt über Finanzierung und Asset Management und verfolgt alle Entwicklungen rund um das Thema Sustainable Finance.

