Mit dem Ende der Koexistenzphase wird der Interbankenzahlungsverkehr faktisch auf ISO 20022 umgestellt sein. Laut einer aktuellen Auswertung von Unicredit Deutschland laufen erst rund 35 Prozent des gesamten Zahlungsverkehrs im neuen ISO-20022-Format, 65 Prozent der Kunden liefern noch alte Daten. „Banken sind regulatorisch gebunden und entsprechend weit in der Umsetzung“, sagt Frank Thoma, Head of Cash Management Sales Germany bei Unicredit. „Die Herausforderung liegt klar auf Corporate-Seite, speziell in Systemen und Daten.“ Dabei schätzt er, dass etwa 70 Prozent der großen Konzerne bereits durch sind, viele mittelständische Unternehmen stehen noch am Anfang.
„Unternehmen, die im November noch nicht migriert haben, riskieren operative Einschränkungen, steigende Fehlerquoten und höhere Prozesskosten“, sagt der Banker. Zwar würden einige Banken alte Kanäle noch nicht hart abstellen, doch für Thoma ist klar: „Die Umstellung ist dadurch nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Die Empfehlung ist eindeutig, bis November 2026 fertig zu sein.“
ISO 20022: Unternehmen unterschätzen den Aufwand
Der häufigste Fehler, den Thoma bei der Umstellung beobachtet: ISO 20022 werde als reines IT- oder Konvertierungsprojekt behandelt. „Es ist aber ein Transformationsprojekt fürs Treasury“, betont er. Die eigentliche Herausforderung liege in der letzten Meile: der Aktualisierung von ERP- und Treasury-Systemen, der Bereinigung von Stammdaten und der Anpassung dahinterliegender Prozesse. Besonders das Thema strukturierte Adressen bereite Probleme: „Alte Systeme würden im Gegensatz zum neuen ISO-20022-Format keine getrennten Felder für Straße und Hausnummer kennen – eine auf den ersten Blick kleine Anforderung mit großer Wirkung“, sagt Thoma.
Hinzu komme ein strukturelles Problem: In vielen Unternehmen fehle die strategische Priorität, beobachtet der Banker. Die Kapazitäten seien knapp, viele TMS- und ERP-Anbieter seien ausgelastet. Für den Mittelstand empfiehlt Thoma pragmatische Zwischenlösungen: „Mit einer Kernbank anfangen, Systemanbieter frühzeitig einbinden und wenn nötig, mit einer Interim-Lösung oder Converter die Zeit überbrücken und dann zeitnah und zügig umstellen.“
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.

