Volkswagen will in China weiter wachsen

05.07.13 09:26

Renminbi für Volkswagen künftig wichtigste Fremdwährung

Von Sabine Paulus

China ist der größte Wachstumsmarkt für Volkswagen. Das hat Auswirkungen für die Währungsrisiken des Konzerns. Treasury-Chef Dr. Jörg Boche erklärt, wie Volkswagen diesen Herausforderungen begegnet und vor Ort finanziert.

Die chinesische Währung Renminbi wird für den Autobauer Volkswagen bis spätestens 2015 zur wichtigsten Fremdwährung im Konzern werden.

Volkswagen

Der Renminbi wird für Volkswagen immer wichtiger.

Die chinesische Währung Renminbi wird für den Autobauer Volkswagen bis spätestens 2015 zur wichtigsten Fremdwährung im Konzern werden. „Im Moment ist der Renminbi nach dem US-Dollar und dem Britischen Pfund noch die für unser Hedging drittwichtigste Fremdwährung“ sagte Dr. Jörg Boche, Head of Group Treasury bei Volkswagen in dieser Woche bei einer Veranstaltung in Frankfurt am Main. „Bald wird die chinesische Währung rund 25 Prozent unseres gesamten Währungsrisikos ausmachen und damit die Fremdwährung mit dem größten Gewicht in unserem Währungshedging sein.“ In diesem Zuge wird die Absicherung der Risiken ein immer wichtigeres Thema. „Volkswagen bevorzugt beim Abschluss von Absicherungsgeschäften diejenigen Instrumente, die einen Austausch der Bruttozahlungsströme vorsehen (sogenannte lieferbare Finanzinstrumente). Das ist aber bei einem Non-Deliverable-Forward-Geschäft nicht möglich, da hier eine Ausgleichszahlung auf Nettobasis zwischen den Kontrahenten erfolgt.“, sagt Boche. Der On-Shore-Hedging-Markt in China sei derzeit für die Volkswagen AG als non-resident nicht zugänglich. Deshalb sei für Volkswagen der Offshore-Deliverable–Markt momentan der „Markt der Wahl“, wie der Leiter der Volkswagen Konzern Treasury erklärt. „Wir werden diesen Markt in verstärktem Maße nutzen.“

Volkswagen ist in China auf Wachstumskurs

Dr. Jörg Boche, Head of Group Treasury bei Volkswagen

Dr. Jörg Boche

China ist inzwischen der größte Einzelmarkt des Wolfsburger Konzerns. 2,6 Millionen Autos produzierten die Wolfsburger im abgelaufenen Jahr über ihre Joint Ventures, rund 200.000 Autos hat der Autobauer aus anderen Werken zusätzlich in das Reich der Mitte importiert. Zum Vergleich: Der gesamte Autoabsatz in Deutschland umfasst derzeit etwas mehr als 3 Millionen Autos. Im Zeitraum 2013 bis 2015 wollen die Joint Venture Gesellschaften von Volkswagen in China rund 9,8 Milliarden Euro in neue Werke und Produkte investieren, finanziert aus eigenem Cash Flow. „Wir wollen in China noch stärker den Süden und den Westen für uns erschließen“, erklärt Boche. China strebe ein ausgeglichenes Wachstum im gesamten Land an, insbesondere der Westen solle stärker industrialisiert werden. „Deshalb werden wir einen großen Teil unseres zukünftigen Wachstums durch die Expansion in den Westen realisieren.“

Wie wichtig der Renminbi für Volkswagen auch als Finanzierungswährung ist, zeigt die Tatsache, dass der Autobauer im Mai 2011 als erstes deutsches Unternehmen eine Offshore-Renminbi-Anleihe platziert hat. Damals hatte Volkswagen 1,5 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 163 Millionen Euro, am Bondmarkt in Hongkong eingesammelt. Im November 2012 folgte eine zweite Anleihe in Höhe von 1 Milliarde Renminbi (rund 123 Millionen Euro). „Wir würden diesen Dim-Sum-Markt viel intensiver nutzen, wenn wir das könnten.“, sagt Boche. Aber es sei keine (automatisierte) Verbindung zwischen On- und Offshore-Markt vorhanden – das Geld muss mit einigem Aufwand nach Festlandchina gebracht werden. „Zudem müssen wir genau belegen, wo wir das Geld investieren wollen, das ist im Vorhinein nicht immer machbar.“ Hinzu kommt: Ausländische Unternehmen in China unterliegen bei einer Offshore-Finanzierung einem sogenannten Borrowing Gap, was effektiv eine Begrenzung der Fremdkapitalaufnahme ist. Dadurch will die chinesische Aufsichtsbehörde unter anderem die Kontrolle über die Landeswährung behalten.

Dim-Sum-Markt wird langsam tiefer

Von den deutschen Unternehmen hat bislang nur noch BSH Bosch und Siemens Hausgeräte zwei Offshore-Renminbi-Anleihen begeben, der Spezialchemiekonzern Lanxess debütierte Anfang 2012 ebenfalls mit einem Papier. Der Dim-Sum-Markt wird  langsam tiefer und liquider, mehr Investoren – auch europäische – sind nun dort präsent. „In den Jahren 2010 und 2011 war eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren der Standard“, sagt Ingo Nolden, Head of Debt Capital Markets bei HSBC zu Der Treasurer. „Inzwischen sind deutlich längere Laufzeiten möglich.“ BSH Bosch und Siemens Hausgeräte hat im vergangenen Sommer beispielsweise als bislang einziges Unternehmen eine zehnjährige Tranche platziert. „Im Moment können deutsche Unternehmen relativ gut 1 bis 2 Milliarden Renminbi im Dim-Sum-Markt einsammeln“, ergänzt Nolden. Allerdings könnten gerade für Investmentgrade-Adressen Cross-Currency-Swaps im Moment aufgrund der Konditionen attraktiver sein als ein Dim-Sum-Bond.

Paulus[at]derTreasurer.de