Spitzer: „Wir wollen immer eine Kriegskasse haben“

02.06.15 08:00

Nabaltec refinanziert Schuldschein

Von Jakob Eich

Günther Spitzer, Bereichsleiter Finanzen bei Nabaltec, spricht mit DerTreasurer über die Refinanzierung des Schuldscheins. Das Unternehmen profitiert unter anderem vom Niedrigzinsumfeld und hat aus früheren Erfahrungen gelernt.

Günther Spitzer, Bereichsleiter Finanzen bei dem Chemiehersteller Nabaltec.

Nabaltec

Günther Spitzer, Bereichsleiter Finanzen bei dem Chemiehersteller Nabaltec, hat aus der Finanzkrise gelernt und die Finanzierungsstruktur des Unternehmens diversifiziert.

Schuldscheine liegen weiter im Trend, so auch bei Nabaltec. Vor kurzem hat der Chemiehersteller aus dem bayerischen Schwandorf einen 2013 begebenen Schuldschein refinanziert und sogar aufgestockt. Dieses Mal sammelte Nabaltec 70 Millionen Euro ein – rund 20 Millionen Euro mehr als noch vor knapp zwei Jahren. Eine große Hausnummer für den Mittelständler, der im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von 143,3 Millionen Euro erzielte und 424 Mitarbeiter beschäftigte.

Die Emission erfolgte in zwei Tranchen mit Laufzeiten von fünf und sieben Jahren, die jeweils variabel verzinst sind. Die längere Tranche hat dabei ein Volumen von 39 Millionen Euro und die kürzere dementsprechend eins von 31 Millionen Euro.

Auch Nabaltec profitiert vom Niedrigzinsumfeld

Bedingt durch den sehr attraktiven Schuldscheinmarkt und durch das Niedrigzinsumfeld sind die Rahmenbedingungen deutlich günstiger geworden als vor anderthalb Jahren. „Wir zahlen für den jetzigen 70-Millionen-Euro-Schuldschein insgesamt weniger als für das 50-Millionen-Euro-Papier von 2013“, sagt Günther Spitzer, Leiter für den Bereich Finanzen bei Nabaltec. Die zinsgesicherten Finanzierungskosten lägen jetzt im Mittelwert bei rund zweieinhalb Prozent. Auch Financial Covenants sind enthalten, unter anderem für das Verhältnis Nettoverschuldung zu Ebitda und die Eigenkapitalquote.

Die Platzierung wurde von der DZ Bank und der IKB Deutsche Industriebank begleitet. Das Mandat erteilte Spitzer Mitte Januar. Der neue Schuldschein wurde weitgehend bei den Investoren des ersten Nabaltec-Schuldscheins platziert. Das Orderbuch belief sich auf rund 100 Millionen Euro. Laut Spitzer sind drei neue Investoren aus den Sektoren Geschäftsbank, Landesbank und Sparkasse hinzugekommen. Um welche es sich genau handelt, wollte der Finanzexperte nicht sagen.

Günther Spitzer setzt mit Nabaltec weiter auf den Schuldschein

Der Schuldschein hat sich in den vergangenen Jahren für das Unternehmen bewährt. Nabaltec hat nach der Finanzkrise 2009 seine Finanzierung von bilateralen Krediten mit Banken hin zu anderen Finanzierungsinstrumenten umgestellt. Im Zuge der Krise war der Umsatz um 24 Prozent eingebrochen. Das Vertrauen der Aktionäre schwand. Die Aktie, die im Entry Standard der Deutschen Börse gehandelt wird, verlor von 2007 bis 2009 mehr als 90 Prozent ihres Werts und lag zwischenzeitlich bei 1,10 Euro. Heute notiert das Wertpapier wieder bei knapp 15 Euro.

Seit der Krise hat eine solide und diversifizierte Finanzierungsstruktur für den studierten Betriebswirt Spitzer daher oberste Priorität: „Wir wollen immer eine Art Kriegskasse haben.“ Um diese herzustellen, griffen 2010 der damals gerade zum Leiter Finanzen aufgestiegene Spitzer und sein Team auf die inzwischen weniger populäre Mittelstandsanleihe zurück. Nabaltec löste die 30-Millionen-Euro-Anleihe Ende 2013 vorzeitig ab und stellte die Finanzierung auf einen Schuldschein um.

So drückte Nabaltec die Kosten nach unten. Der damalige Schuldschein hatte Tranchen mit Laufzeiten von drei, fünf und sieben Jahren. Rund 90 Prozent des Volumens lagen in den längeren Tranchen, die nun weitgehend refinanziert wurden. „Die relativ kleine dreijährige Tranche  beinhaltete zum Teil fixe Kupons. Auf die Kündigung der variablen Anteile haben wir hier verzichtet, da wir diese Laufzeit auch nicht neu angeboten haben “, sagt Spitzer.

Ausbau des US-Geschäfts

Mit dem Schuldschein will Nabaltec, das 2014 einen operativen Gewinn (Ebit) von rund 13 Millionen Euro machte, die Prozesse am Standort Schwandorf optimieren und das Produktionsvermögen erweitern. Auch die Expansion in den USA steht auf dem Programm: „Wir wollen unsere Produktion in den Vereinigten Staaten ausbauen und unsere Kapazität dort um 40 Prozent erhöhen“, sagt Spitzer.

Der derzeit starke US-Dollar macht ihm dabei keine Sorgen: „ Wir produzieren in US-Dollar und machen unsere Umsätze im US-Dollar-Raum. Darüber hinaus hilft uns der starke US-Dollar bei unserem Export aus Schwandorf in dieser Währung“, sagt Spitzer. Derzeit macht der gesamte Auslandsanteil circa 70 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens aus.

Eich[at]derTreasurer.de