Ratingagentur dreht an der Gebührenschraube / „Schlichtweg unakzeptabel“ finden Emittenten

26.04.12 15:03

DAX-Konzerne rebellieren gegen S&P

Von Andreas Knoch

Deutsche Großkonzerne steigen gegen die Preispolitik der Ratingagentur Standard & Poor’s auf die Barrikaden. Die Preissteigerungen bezeichnen sie als „schlichtweg unakzeptabel“.

Deutschlands Großkonzerne kritisieren Standard & Poors.

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Deutschlands Großkonzerne kritisieren Standard & Poors.

In einem gemeinsamen Brief haben elf Dax-Unternehmen und das Familienunternehmen Bertelsmann mit ungewöhnlich scharfen Worten gegen das neue Gebührenmodell des US-Unternehmens protestiert. Basierend auf den gleichen Leistungen wie in den vergangenen Jahren führe das teilweise zu doppelt so hohen Preisen wie bislang, heißt es in dem Schreiben an S&PDeutschland- Chef Torsten Hinrichs. Auch wenn S&P wohl eine Staffelung über zwei bis drei Jahre angeboten hat, bleibe das Ergebnis „schlichtweg unakzeptabel“.

Die Ratingagentur selbst wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Details zu Kundenbeziehungen kommentiere man grundsätzlich nicht, sagte eine Sprecherin. Im Schnitt würden die Gebühren durch das neue Modell für die 600 europäischen Unternehmenskunden um 5 Prozent steigen. Einigen Großkunden drohten jedoch stärkere Erhöhungen, hieß es weiter. In Deutschland hat S&P mit rund 90 Unternehmen Verträge über die Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit. Die Jahresgebühr beträgt mindestens 60.000 Euro und umfassen die Ratinganalyse sowie die permanente Überwachung der Ratingnote. Einige Unternehmen bezahlen aber auch Gebühren im sechsstelligen Bereich.

Handlungsspielraum der Unternehmen begrenzt

Den Konzernen stößt vor allem die Art und Weise der Ankündigung sauer auf. Angeblich hatte S&P das Preismodell als Vorschlag deklariert. Tatsächlich habe es sich aber um eine einseitig festgelegte Gebührenordnung gehandelt. Wenn S&P nicht wie in der Vergangenheit die Preise individuell mit den Kunden aushandle, „könnten unsere Gesellschaften weitere Maßnahmen in Betracht ziehen“, heißt es in dem gemeinsamen Brief.

Zu diesen „weiteren Maßnahmen“ wollte sich jedoch keines der betroffenen Unternehmen äußern. Tatsächlich sind die Möglichkeiten der Unternehmen begrenzt. Solange Ratings notwendig sind, um am Kapitalmarkt zu günstigen Konditionen an Geld zu kommen, so lange werden die Emittenten diese Kröte schlucken müssen. Ein Wechsel des Ratinganbieters mag für den Moment eine Lösung sein. Langfristig ist sie es nicht, denn im Bereich der Corporate Ratings ist neben Standard & Poor’s nur Moody’s eine echte Alternative. Fitch spielt in diesem Segment weder bei Investoren noch bei Emittenten eine große Rolle. Auf Ratings ganz zu verzichten ist auch keine Option. Das mag bei Unternehmen mit einer globalen „Brand“ und sporadischen Emissionen klappen. Bei sogenannten „Frequent Issuers“, die die internationale Investorengemeinde ansprechen müssen, funktioniert das aber nicht.

Dass sich an der für viele Kapitalmarktteilnehmer unbefriedigenden Situation schnell etwas ändert, ist daher nicht zu erwarten. So drohte das Prestige projekt von Roland Berger, die mit dem Aufbau einer Europäischen Ratingagentur ein Gegengewicht zu den großen Drei schaffen wollen, an der Finanzierung zu scheitern. Bis dato gebe es keine konkreten Finanzierungszusagen von europäischen Banken, ließ Partner Markus Krall vor einigen Tagen verlauten. Kurz vor Redaktionsschluss kam allerdings die Meldung, wonach jetzt mit ersten Schritten zu rechnen sei.

Knoch[at]derTreasurer.de