Treasurer hoffen auf massive Erleichterungen

20.06.17 08:24

Emir-Reform: Das Ende der Meldepflicht?

Von Desiree Backhaus

Die EU-Kommission will Corporates beim Emir-Reporting entlasten. Viele Punkten bleiben aber unklar – auch ob alle Vorschläge das EU-Gesetzgebungsverfahren überstehen. Ab November steigt der Aufwand aber erst mal.

octabas/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die EU-Kommission will Corporate Treasurer bei Emir entlasten. Überstehen die Reformvorschläge den EU-Gesetzgebungsprozess?

Die Freude der Corporate Treasurer war groß, als die EU-Kommission Anfang Mai ihre Reformvorschläge für die Derivateregulierung präsentierte: Die Hedging-Ausnahme soll nach dem Willen der Brüsseler Politiker nicht angetastet werden. Damit dürfte auch künftig kaum ein Unternehmen der Realwirtschaft dazu gezwungen sein, Derivategeschäfte zu clearen. Die EU-Wertpapieraufsichtsbehörde Esma hatte vor knapp zwei Jahren eine Clearing-Pflicht auch für solche Derivate ins Spiel gebracht, die zur Risikoabsicherung (Hedging) abgeschlossen werden, und damit Treasurer gegen sich aufgebracht.

Die neuen Pläne der EU-Kommission kommen Treasurern nun sogar noch weiter entgegen: Corporates sollen konzerninterne Derivatetransaktionen künftig nicht mehr melden müssen. Die Meldepflicht könnte für Industrieunternehmen sogar komplett entfallen, Brüssel plant ein einseitiges Reporting der Bank – es wäre das Ende der lästigen, teuren und zeitaufwendigen Emir-Meldepflicht für Treasurer. „Die EU-Kommission und auch das Parlament hatten bereits seit längerem signalisiert, dass sie Corporates entlasten wollen“, sagt Christian Debus, Treasury-Berater bei KPMG.

Emir-Reform: Wird sich die EU-Kommission durchsetzen?

Allerdings liegen die Tücken wie so oft im Detail: „Im Vorschlag der Kommission ist etwa keine generelle Abschaffung der Meldepflicht für NFC- enthalten“, sagt Adrian Obhof von der Beratung d-fine. „Ich rechne zudem nicht damit, dass die Änderungen der Emir vor dem 1. November 2017 wirksam werden.“ Zu diesem Zeitpunkt tritt erst einmal eine Erweiterung der Meldepflicht um etwa 40 Felder in Kraft, die Stand heute auch für alle Industrieunternehmen gelten wird.

So hat sich die erste Freude inzwischen etwas gelegt, die Analysephase begonnen: Wie weit geht die geplante Entlastung für Corporate Treasurer wirklich? Ab wann könnte sie greifen? Und vor allem: Wie stehen die Chancen, dass sich die Kommission mit ihrem Entwurf durchsetzt?

Das Deutsche Aktieninstitut (DAI), eine Interessensvertretung der börsennotierten Unternehmen in Deutschland, hat jetzt ein Positionspapier zu den Emir-Reformplänen veröffentlicht. Welche drei für Treasurer besonders kritische Punkte der Verband identifiziert hat, das lesen Sie in der Aufmachergeschichte des aktuellen E-Magazins.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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Seit fast dreieinhalb Jahren müssen EU-Unternehmen ihre Derivatetransaktionen melden. Die Entwicklung der EU-Derivateverordnung haben wir auf unserer Themenseite Emir nachgezeichnet.