Fälle wie die des Reiseveranstalters Thomas Cook und seiner Tochter Condor haben gezeigt, wie risikoreich internationales Cash Pooling sein kann. Sowohl die Mutter als auch die Tochtergesellschaften müssen klare Regeln haben, um nicht gemeinsam in die Insolvenz zu rutschen. Das ist insofern schwierig, weil jedes Land andere Vorschriften hat. Die Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle hat daher die rechtlichen Rahmenbedingungen und Haftungsrisiken von Cash Pooling in 27 Ländern untersucht.
Russland erlaubt zwei Arten von Cash Pools
Zu den untersuchten Ländern gehört auch Russland. Cash Pooling ist in dem Land erst in den vergangenen Jahren so richtig angekommen. Dabei gelten strenge Regeln, die eingehalten werden müssen. Russische Banken bieten sowohl physisches als auch fiktives Cash Pooling an, wobei Ersteres üblicher ist. Vor allem beim physischen Cash Pooling im größten Land der Erde gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:
- Der Darlehensvertrag zwischen Mutter und Tochtergesellschaften muss klar regeln, ob nur die Mutter Kredite an die Tochter vergeben darf und/oder auch umgekehrt.
- Russische Banken verlangen von der Mutter eine Garantie, um Rückzahlungen zwischen den Kreditvereinbarungen zu sichern.
- Transaktionen auf dem russischen Bankkonto werden nach den russischen Regeln getätigt, das betrifft etwa Lastschriften.
Cash Pool in Russland: Haftung und Risiken
Die Mutter muss nicht nur für die Verbindlichkeiten der Tochter aufkommen, wenn diese wegen der finanziellen Lage der Mutter in die Insolvenz gerutscht ist. Auch wenn die Tochter Solvenzprobleme hat, die nicht mit der Mutter zusammenhängen, muss die Mutter Maßnahmen ergreifen. Tut sie das nicht, haftet sie ebenfalls.
Um Risiken im Cash Pool zu minimieren, sollte die Konzernmutter die Struktur sowie die Kündigungsregeln genau untersuchen. Zudem müssen in Russland einige bestimmte Transaktionen von Aktionären genehmigt werden.
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Zinsen beim russischen Cash Pooling
Der Zinssatz im Rahmen des Darlehens der Mutter an die Tochter sollte innerhalb der folgenden Intervalle liegen:
- für Kredite in Rubel: 75 bis 180 Prozent des Leitzinses der Zentralbank (von 2020 bis Ende 2021)
- für Kredite in Euro: von Euribor in Euro bis zu +7 Basispunkte (von 2020 bis Ende 2021)
- für Kredite in US-Dollar: von Libor in US-Dollar bis zu +7 Basispunkte (von 2020 bis Ende 2021
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.


