Der Spritzgussmaschinenhersteller Engel erweitert sein Terrain und will seinen Kunden neben dem klassischen Maschinenkauf ein alternatives Bezahlmodell anbieten. Dazu bietet das Unternehmen aus Österreich seinen Kunden seit Ende 2022 Pay per Use (PPU) an.
Je höher der Nutzungsgrad der Maschine ist, umso mehr muss der Kunde bezahlen. Wird sie weniger häufig genutzt, ist die Rate entsprechend niedriger. Profitieren sollen davon vor allem Unternehmen, die in zyklischen Branchen aktiv sind oder ihre Liquidität schonen müssen.
Simon Zeilberger, Geschäftsführer und CFO von Engel, sagt im Interview mit DerTreasurer: „Pay per Use ist ein interessantes Finanzierungsmodell. Unsere Kunden haben besonders seit der Energiekrise den Mehrwert nach dieser auslastungsorientierten Finanzierungsform aufgegriffen und nachgefragt.“ Mit ersten Überlegungen hat das Unternehmen bereits 2020 angefangen, eine Kooperation dazu ist Engel im vergangenen Jahr mit dem Fintech Linx4 eingegangen. Linx4 agiert in diesem Modell quasi als Bank. Das Fintech gründete dafür eine Zweckgesellschaft und kauft Engel die Maschinen ab, für die eine Pay-per-Use-Option angeboten wird. Linx4 least die Maschinen dann an die Engel-Kunden weiter und finanziert den Kauf unter anderem über den eigenen Maschinenfonds.
Engel arbeitet mit Fintech Linx4 zusammen
In Deutschland sind zum Beispiel die Deutsche Bank und die Commerzbank in diesem Bereich aktiv und bieten Pay-per-Use-Kredite an. CFO Zeilberger hat sich auch das Angebot einiger Banken angeschaut, davon konnte ihn aber keine in diesem Bereich wirklich überzeugen, da die Banken das „wirtschaftliche Risiko nicht abbilden und somit der bilanzielle Vorteil für den Kunden oft nicht schlagend wird“. Das Fintech Linx4 übernehme bei Engel neben dem Risiko eines Kreditausfalls auch das wirtschaftliche Risiko einer Unterauslastung.
Im Detail funktioniert das Modell bei Engel nun so: „Der Kunde bezahlt in Abhängigkeit der Maschinenauslastung. Vorher vereinbaren wir einen Fixpreis, entweder pro produzierte Einheit oder pro Maschinenlaufzeit“, erklärt CFO Zeilberger, der seit April 2022 bei den Österreichern ist.
„Wir übernehmen die komplette Pay-per-Use-Abwicklung der Rückzahlung inklusive Risikomanagement“, erklärt Paul Bruckberger, CEO und CO-Founder von Linx4. Die Ratenhöhe würde dabei nicht nur von den produzierten Einheiten oder der Maschinenlaufzeit bestimmt, sondern auch von dem Restwert der Maschine oder der Laufzeit des Vertrags. „Wir haben Zugriff auf den Pay-per-Use-Konfigurator von Linx4 und können all diese Faktoren eingeben und in die Kundenverhandlung eintreten“, sagt Zeilberger.
Mehr Nachhaltigkeit mit Pay per Use
Bei Engel wurde ein Pay-per-Use- Expertenteam eingerichtet, das eine kundenspezifische beziehungsweise individuelle Finanzierungsberatung übernehmen kann. Das Treasury beschäftige sich mit der Kreditprüfung, die aber wie im normalen Kreditmanagementprozess laufen würde, erläutert Zeilberger.
IoT-Schnittstelle genutzt Wie oft die Maschine im Einsatz ist, wird datenverschlüsselt über eine Industrial-IoT-Schnittstelle über den Online-Support und das Fernwartungstool „E-connect.24“ an Linx4 übertragen. Bruckberger erklärt, dass die Parteien vorher vertraglich festlegen, welche Daten genau übertragen werden dürfen. Das eingebaute Fernwartungstool, das einen Sensor enthält, würde regelmäßig durch Engel- Servicetechniker gewartet werden. Instandhaltungsarbeiten ließen sich Engel frühzeitig planen, um unvermeidbare Anlagenstillstandzeiten kurz halten zu können.
Am Ende der vereinbarten Vertragslaufzeit habe der Kunde die Option, die Maschine zu kaufen. Alternativ hat sich Engel Used Machinery, das Gebrauchtmaschinenunternehmen innerhalb der Engel-Gruppe, verpflichtet, die Maschine von Linx4 zurückzukaufen. Auch in Bezug auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ist Pay per Use somit ein innovatives Geschäftsmodell.
Engel will Pay per Use ausrollen
Die Vorteile für die Engel-Kunden sind für den CFO deutlich: „Sie müssen keine großen Investitionen tätigen und können ihre Liquidität schonen.“ Zudem mache sich Pay per Use auch besser auf der Bilanz der Kunden, Capex werde zu Opex, teilweise auch unter IFRS. Die Assets erscheinen wiederum bei Linx4 beziehungsweise der Zweckgemeinschaft auf der Bilanz.
Laut Zeilberger hat Engel seit Beginn der Kooperation nun erste Kunden, die das neue Modell nutzen. Noch würden sich eher die größeren Kunden für das alternative Finanzierungsmodell interessieren. „Es hängt vor allem davon ab, wie die Unternehmen bilanziell aufgestellt sind und wie die Liquiditätssituation ist“, so der Finanzchef.
Als Nächstes wolle Engel mit Linx4 Pay per Use international ausrollen, in Europa sei die Finanzierungsform schon möglich. Vor allem Nordamerika und China stünden als nächste Regionen zur Auswahl. Hier würden aber weitere Hürden auf sie zukommen, denn das Thema sei international im Hinblick auf das Insolvenzrecht noch nicht hundertprozentig regulatorisch geregelt, sagt Zeilberger.
Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.

