Potentiale im Zahlungsverkehr liegen brach

02.06.14 16:07

Commerzbank-Studie: Mittelständler sehen wenig Vorteile bei Sepa

Von Desiree Backhaus

Der deutsche Mittelstand hat die Sepa-Umstellung nahezu vollständig gestemmt, einige nutzen das neue Verfahren aber noch nicht. Das verdeutlicht eine Studie im Auftrag der Commerzbank. Vorteile durch Sepa sieht die Mehrheit der befragten Mittelständler nicht – hier will die Bank ansetzen.

Commerzbank will Mittelständlern die Vorteile von Sepa erklären.

Julia Schwager, Commerzbank

Commerzbank will Mittelständlern die Vorteile von Sepa erklären.

Am Ende scheint sich der Druck rund um das Sepa-Enddatum bezahlt gemacht zu haben: Die überwältigende Mehrheit der deutschen Mittelständler war schon zum ursprünglichen Stichtag am 1. Februar fertig. Das hat zumindest eine heute vorgestellte Umfrage unter 275 deutschen Mittelständlern mit Umsätzen zwischen 12,5 und 100 Millionen Euro ergeben, die die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) aus Bielefeld  im Auftrag der Commerzbank zwischen Ende März und Anfang April durchgeführt hat.

Demnach gaben 91,6 Prozent der Befragten an, dass ihre Sepa-Umstellung zum 1. Februar abgeschlossen war. Zu einem ähnlichen Ergebnis war Mitte Mai auch das 12. Treasurer-Panel von DerTreasurer gekommen, in dem vor allem Großunternehmen befragt wurden. Nahezu alle weiteren Befragten (8 Prozent) der Commerzbank-Studie wollen bis zum neuen Enddatum am 1. August fertig sein. „Für die breite Masse der Unternehmen war die Verlängerung der Deadline nicht notwendig“, kommentierte Frank-Oliver Wolf, Leiter Cash Management und International Business bei der Commerzbank, die Ergebnisse vor Journalisten in Frankfurt. Im November hatte die Commerzbank noch gewarnt, dass 40 Prozent der Mittelständler Gefahr laufen, die Frist im Februar zu verpassen.  Bis zur Verschiebung der Deadline Anfang Januar haben viele jedoch noch einen veritablen Endspurt hingelegt.

Sepa: Umstellung ja, Nutzung zögerlich

Tatsächlich gibt es allerdings eine hohe Diskrepanz zwischenden Unternehmen, die sich in Umfragen als Sepa-ready bezeichnen und denen, die das Sepa-Verfahren tatsächlich nutzen. Denn laut EZB wurden noch im April 86,5 Prozent der Überweisungen in Deutschland im Sepa-Format ausgeführt, bei den Lastschriften waren es gerade einmal 61,5 Prozent. „Insbesondere bei der Einreichung von Lastschriften nutzen einige Unternehmen weiterhin die vermeintlich vorteilhaften DTAUS-Verfahren obwohl technisch auch bereits die Sepa-Verfahren in den Systemen nutzbar sind“, sagt Wolf.

Das könnte auch daran liegen, dass die Mehrheit der im Auftrag der Commerzbank befragten Unternehmen die Vorteile von Sepa nicht spürt: 69 Prozent stellen für ihre Firmen keine Erleichterungen fest – im Gegenteil: Einige Befragte klagen laut Studienautor Professor Volker Wittberg von der FHM über erhöhte Fehleranfälligkeit bei der IBAN, verspäteten Zahlungseingang und eine erschwerte Zuordnung von Zahlungen.

Sepa als lästige Pflichtaufgabe

Zudem ist das Desinteresse an Sepa unter Mittelständlern nach wie vor ausgeprägt: Auf die Frage, ob die Unternehmen Anforderungen an den Zahlungsverkehr haben, die sich mit Sepa beziehungsweise den Sepa-Banken noch nicht erfüllen lassen, antworten 56 Prozent mit „Weiß nicht“. Für Wittberg ist diese Unkenntnis ein krasses Signal: „Der Mittelstand hat Sepa nicht verstanden.“ Die Möglichkeiten im Zahlungsverkehr würden nicht erkannt.

Die Commerzbank will dies nun ändern und wirbt jetzt mit dem Slogan „Sepa Plus“ verstärkt mit den Vorteilen des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums. „Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um den Zahlungsverkehr zu optimieren“, sagt Wolf. Unternehmen können dank Sepa mehr Zentralisierung, Standardisierung und Konsolidierung im Zahlungsverkehr erreichen. Einige Firmen haben gegenüber DerTreasurer bereits signalisiert in Sepa mehr als eine lästige Pflichtaufgabe zu sehen. Auch Wettbewerber der Commerzbank schlagen in diese Kerbe und werben für die Vorteile des Euro-Zahlungsverkehrs mit Stichwörtern wie Sepa 2.0.

SEB in Deutschland jetzt voll auf Sepa

Einige Banken nehmen inzwischen keine Altformate mehr an. Dazu gehört die SEB, die in Deutschland zum 30. April vollständig auf Sepa umgestellt hat und keine lokalen Zahlungsformate mehr zulässt. „Die SEB ist so weit wie kaum eine andere Bank in Deutschland und ist die erste, die endgültig den Schalter umgelegt hat“, sagt Stefan Schneider, Head of Transaction Banking. Die Commerzbank dagegen will auch nach dem 1. August Konvertierungsservices anbieten – ein paar Nachzügler werden benötigen, vermutet Commerzbanker Wolf.

Backhaus[at]derTreasurer.de