BNP Paribas dominiert in Europa

24.01.17 10:42

Das sind die Top-Banken im Trade-Finance-Geschäft

Von Desiree Backhaus

Europäische Großkonzerne wickeln ihr Trade-Finance-Geschäft mit immer weniger Banken ab. Größter Profiteur dieser Konzentration ist Marktführer BNP Paribas, die besten Noten für Produkt- und Servicequalität erteilen CFOs und Treasurer aber anderen Häusern.

tcly/Thinkstock/Getty Images

Im Trade-Finance-Geschäft führt an BNP Paribas kein Weg vorbei. Die französische Großbank profitiert immer noch vom Rückzug der Royal Bank of Scotland.

BNP Paribas ist der Marktführer im europäischen Trade-Finance-Geschäft. Das geht aus einer Umfrage des US-Beratungshauses Greenwich Associates unter rund 500 CFOs und Treasurern aus großen europäischen Unternehmen hervor. Demnach nutzten im vergangenen Jahr 36 Prozent der Befragten das Trade-Finance-Angebot der französischen Großbank. Auf Platz 2 folgt die Deutsche Bank mit einer Marktdurchdringung von 30 Prozent. Rang 3 teilen sich HSBC und UniCredit, deren Produkte jeweils ein Viertel der Befragten einsetzten.

Damit verteidigt die BNP Paribas ihre Spitzenposition im Trade-Finance-Geschäft mit europäischen Unternehmen. Anders als bei der letztjährigen Umfrage konnten die Franzosen jedoch nicht im großen Stil Neukunden gewinnen. Ein wichtiger Grund für die erfolgreiche Kundenakquise damals: Die Royal Bank of Scotland (RBS) kündigte 2015 an, für Kunden außerhalb ihres Heimatmarktes Großbritannien und Nordirland keine Transaction-Banking-Services mehr anzubieten und empfahl die BNP Paribas als neue Bank. Neben Cash Management und Zahlungsverkehr betraf dies auch das Trade-Finance-Geschäft. Der inzwischen vollzogene Rückzug der Schotten sorgte laut Greenwich zwar auch 2016 für eine hohe Volatilität am Trade-Finance-Markt. Anders als im Vorjahr verlagerten europäische Unternehmen ihr Geschäft allerdings an diverse Banken.

Deutsches Trade-Finance-Geschäft: Commerzbank vor Deutsche Bank

Betrachtet man nur den deutschen Markt hat dagegen eine andere Bank die Nase vorn: 75 Prozent der 60 befragten deutschen Unternehmen wickelten ihr Handelsfinanzierungsgeschäft mit der Commerzbank ab. Damit kann das zweitgrößte deutsche Geldhaus den Lokalrivalen Deutschen Bank auf Platz 2 verweisen. Der Branchenprimus kommt auf eine Marktdurchdringung von 70 Prozent und liegt damit klar vor der UniCredit (52 Prozent). Europaweit erreicht die Commerzbank mit einer Marktdurchdringung von 20 Prozent immerhin Platz 5 – gleichauf mit der spanischen Santander.

Treasurer streichen Trade-Finance-Anbieter zusammen

Insgesamt nutzten die befragten europäischen Corporates im vergangenen Jahr im Schnitt weniger Trade-Finance-Anbieter: Die Zahl der Banken verringerte sich von fünf im Jahr 2015 auf 4,7. Besonders in Italien und den Niederlanden stutzten Treasurer ihre Bankbeziehungen im Trade-Finance-Geschäft.

Wie wichtig es ist, in der Handelsfinanzierung Lead Bank zu sein, zeigt eine andere Zahl: Im Schnitt machen die Befragten 52 Prozent ihres Trade-Finance-Geschäfts mit der Lead Bank, auf den zweiten Anbieter entfallen nur noch 17 Prozent des Geschäfts, auf den dritten 7 Prozent. Wichtigster Entscheidungsfaktor ist das Pricing, gefolgt vom internationalen Netzwerk der Bank.

Trade Finance: Die deutschen Banken liefern die beste Qualität

Während BNP Paribas die höchste Marktdurchdringung hat, erhielten die deutschen Banken von den befragten CFOs und Treasurern die besten Noten für Produkt- und Servicequalität: Als sogenannte „Quality Leader“ zeichnet Greenwich die Commerzbank, die Deutsche Bank und auch die italienische UniCredit aus.

Vor allem die Deutsche Bank erhalte bei der aktuellen Umfrage eine im Vergleich zum Vorjahr „signifikant“ bessere Einschätzung ihrer großen Firmenkunden, schreibt die Beratung. Es mache sich bemerkbar, dass der deutsche Branchenprimus seinen Fokus auf das Trade-Finance-Geschäft lege und dort vor allem große Kunden adressiere. Mit Blick auf die gestiegenen Kontrahentenrisiken bei Geschäften mit der Bank warnt Greenwich-Managing-Director Tobias Miarka allerdings: „Um das positive Momentum mit großen Trade-Finance-Kunden aufrechtzuhalten, wird die größte Herausforderung der Deutschen Bank in den kommenden Monaten nicht auf der operativen Seite liegen, sondern an der finanziellen Front.“ Mit anderen Worten: Servicequalität alleine reicht nicht, wenn die Risiken steigen.

Backhaus[at]derTreasurer.de

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