Novum im Zahlungsverkehr: Siemens hat am 6. November erstmals eine neue programmierbare Zahlungsfunktion ausgeführt. Die Zahlung lief über die von JP Morgan betriebene Blockchain-Zahlungsplattform Onyx. Wie JP Morgan mitteilt, handelt es sich dabei um eine neue Funktion der Blockchain-basierten Konten auf dem JPM Coin System.
Nutzern der US-Großbank wird so erstmals ermöglicht, Zahlungen mithilfe eines weit über die bisherigen Standards hinausgehenden Regelwerks zu programmieren. Das ganze funktioniert über das sogenannte „If-This-Then-That“-Interface („Wenn-dies-dann-das“): Damit ließen sich Regeln für Zahlungen erstellen, die so bis dato nicht verfügbar seien, teilt JP Morgan mit.
Mehr Optionen bei Finanzierungen und Auszahlungen
Als Beispiele nennt das US-Institut die Bereiche „Dynamische Finanzierung“ und „Ereignisbasierte Auszahlungen“. Bei Letzterem etwa ließen sich Zahlungen auf der Basis von Ereignissen wie Margin Calls, dem Eingang von Lieferungen oder der Erfüllung sonstiger vertraglicher Verpflichtungen vorab definieren und ausführen.
Durch die neue Funktion sollen Treasurer in die Lage versetzt werden, noch schneller und flexibler reagieren zu können. Solche Ansätze könnten vor allem dann wichtig werden, wenn sich eine Real-Time-Zahlungsinfrastruktur weiter etabliert.
JP Morgan glaubt, dass bislang keine andere Bank ein vergleichbares Angebot geschaffen hat. Die US-Unternehmen Fedex und Cargill sollen Siemens in den kommenden Wochen folgen, teilt die US-Bank mit.
Siemens-Treasurer Rathgeb sieht viele Ansatzpunkte
Siemens-Treasurer Rathgeb ist von dem neuen Feature überzeugt: „Die Vorteile und Funktionen aus der Kryptowelt sind nun auch für Fiat-Währungen verfügbar, indem JP Morgan rund um die Uhr Blockchain-basierte Bankkonten anbietet, kombiniert mit Programmierbarkeit“, erklärt er.
Dies werde Siemens auf die nächste Stufe der Automatisierung bringen. Rathgeb denkt dabei nicht nur daran, die Nutzung des Betriebskapitals zu optimieren, sondern auch, datengetriebene digitale Geschäftsmodelle zu ermöglichen und die Skalierbarkeit des Siemens-Geschäfts auf der Treasury-Seite zu unterstützen.
Siemens und JP Morgan kooperieren seit Ende 2021
„Unser neues Angebot macht Zahlungen programmierbar und läutet damit die Ära der dynamischen und ereignisgesteuerten Infrastruktur in der Branche ein. Dies ist ein wichtiger Meilenstein und grundlegend für ein automatisiertes und programmierbares Echtzeit-Treasury“, ergänzt Naveen Mallela, Head of Coin Systems von Onyx.
Die Zahlung ist eine wichtige Etappe in der Ende 2021 gestarteten Zusammenarbeit zwischen Siemens und JP Morgan. In einem ersten Schritt hatten die beiden Parteien folgenden Use-Case getestet: Wenn ein Konto einen bestimmten Wert unterschreitet, wird auf einem anderen Konto eine Zahlungen ausgelöst, um es wieder auszugleichen. Diese Funktion gibt es auch ohne die Blockchain-Technologie bereits (Target Balancing). Diese Vorarbeit diente dazu, die Stabilität des Systems zu prüfen, um nun die weiteren Schritte gehen zu können.
Und auch für die Blockchain-Technologie selbst kommt der neue Use-Case zu einem günstigen Zeitpunkt: Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Blockchain-basierte Handelsfinanzierungsplattform Contour Ende November ihren Betrieb einstellen wird – ein weiterer Rückschlag für die Technologie, die sich bislang nicht in der Breite im Treasury durchsetzen konnte.
Philipp Hafner ist Redakteur bei DerTreasurer und FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Zuvor arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.

