EZB will Fragmentierung vermeiden

10.03.15 07:54

Zahlungsverkehr in Echtzeit: EBA Clearing gründet Task Force

Von Desiree Backhaus

EBA Clearing will eine europaweit einheitliche Plattform zur Verarbeitung von Echtzeitzahlungen schaffen. Damit reagiert der paneuropäische Zahlungsinfrastrukturbetreiber auf eine Forderung der EZB. 2018 könnte es soweit sein. Doch vielleicht haben neue Anbieter wie Apple, Google und Co. den Zahlungsverkehr dann schon übernommen.

JChambers/iStock/Thinkstock/Getty Images

Die EZB wünscht sich ein paneuropäisches System für Zahlungsverkehr in Echtzeit. Die Banken arbeiten nun daran.

Zahlungsverkehr in Echtzeit könnte schon bald keine Zukunftsmusik mehr sein: Der paneuropäische Zahlungsinfrastrukturbetreiber EBA Clearing hat jetzt eine entsprechende Task Force gegründet. Sie soll die Voraussetzungen für eine europaweit einheitliche Plattform zur Verarbeitung von Echtzeitzahlungen (Instant Payment) schaffen.

Bis Mitte 2015 sollen die 20 Experten, die Anfang März erstmals zusammen saßen, eine Blaupause für eine solche Infrastruktur erstellen. 2018 könnte die Plattform dann den Betrieb aufnehmen, so die Pläne von EBA Clearing. Damit tritt der Infrastrukturbetreiber, in dem sich rund 60 große Banken zusammengeschlossen haben, beim Echtzeitzahlungsverkehr jetzt auf das Gaspedal: „Nach einer ersten Beurteilung im Sommer 2014 haben wir die Initiative für Sofortzahlungen Ende letzten Jahres beschleunigt“, sagt Erkki Poutiainen, Chairman von EBA Clearing.

EZB fürchtet Fragmentierung des Echtzeitzahlungsverkehrs

Der Grund: Die EZB hatte sich das Thema Instant Payment im vergangenen Dezember auf die Agenda genommen. Man wolle eine Fragmentierung des Echtzeitzahlungsverkehrs vermeiden, erklärte EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch damals. Stattdessen solle man Vorteile aus der durch Sepa geschaffenen Harmonisierung des Euro-Zahlungsverkehrs ziehen, so Mersch.

Die Sorge einer Fragmentierung ist nicht unbegründet: Großbritannien unterhält das Faster Payments System, Dänemark hat gerade erst sein RealTime24/7-System eingeführt. Auch der Finanzdienstleister Swift hat eine Infrastruktur für Echtzeitzahlungsverkehr entwickelt. Zunächst zwar nur für den australischen Markt, weitere Länder sollen allerdings folgen.

Das europäische Zahlungsverkehrskomitee Euro Retail Payments Board (ERPB) hat deshalb den Anspruch formuliert, ein paneuropäisches System zu schaffen, das für alle Zahlungsverkehrsdienstleister der EU offen steht. Dieser Aufforderung folgt EBA Clearing nun.

Banken wollen Zahlungsverkehr nicht den FinTechs überlassen

Die Initiative zeigt, dass jetzt auch die Banken die Relevanz des Themas erkannt haben. In den vergangenen Monaten und Jahren waren es vor allem die neuen Player im Zahlungsverkehr, die sogenannten FinTechs aber auch Apple, Paypal und Co., die Echtzeitzahlungen vorangetrieben haben. Da diese Zahlungsdienstleister im Hintergrund jedoch in der Regel auf Infrastrukturen zugreifen, die keine Echtzeitabwicklung darstellen können, stoßen sie mit diesem Angebot an Grenzen: Die Zahlung ist zwar ausgelöst, aber nicht durchgeführt. Der Empfänger kann noch nicht über das Geld verfügen. Das könnte sich mit der Initiative von EBA Clearing nun ändern.

2018 könnte es aber schon zu spät sein, warnte Hans-Rainer van den Berg, Vorstand des gleichnamigen Anbieter für Zahlungsverkehrs-IT, heute bei einer Veranstaltung in Frankfurt:Wenn die Banken nicht schnell reagieren, dann könnten ihnen Kreditkartenunternehmen, Internetriesen wie Amazon, Google und Apple aber auch Telekommunikationsunternehmen oder gar Versorger den Rang bei Instant Payments ablaufen. All diese Branchen hätten das grundsätzliche Know-how, das für Echtzeitübermittlung notwendig ist.

Van den Berg selbst hat heute einen Prozess für die Auslösung, das Clearing und das Settlement von Echtzeitzahlungen vorgestellt. Dies will der IT-Dienstleister nun in den Markt tragen. Das Wettrennen hat begonnen.

Instant Payment: Erst B2C, dann B2B

Auch Treasurer sollten sich das Thema Echtzeitzahlungen auf die Agenda nehmen. Van den Berg geht davon aus, dass Instant Payments andere Bezahlmethoden vom Markt verdrängen werden, auch Sepa-Überweisungen und -Lastschriften:Das gilt für Internetzahlungen ebenso wie am Point-of-Sale. Im ersten Schritt gehe es vor allem um den Handel, im zweiten Schritt könnten aber auch B2B-Zahlungen folgen.

Backhaus[at]derTreasurer.de