Nach Insolvenz: neuer Anlauf für Marco Polo

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Marco Polo Network wagt einen Neuanfang. Im Februar vergangenen Jahres musste das Trade-Finance-Fintech, das auf der Blockchain-Technologie basiert, Insolvenz anmelden. Kurz vorher war bekannt geworden, dass die Zusammenarbeit mit der Commerzbank beendet worden war, wie DerTreasurer damals berichtete. Auch die LBBW, BNP Paribas, Bank of America, BNY Mellon und SMBC hatten mit der Handelsfinanzierungsplattform zusammengearbeitet.

Seit einigen Wochen nimmt die Trade-Finance-Plattform einen neuen Anlauf mit neuen Eigentümern, einer neuen Strategie und einem neuen Namen. Dieser lautet Kanexa und will sich im Gegensatz zu Marco Polo vom bankenorientierten Modell entfernen, wie das Onlinemagazin „Global Trade Review“ schreibt. Kanexa richte sein Angebot jetzt vor allem an Einkäufer und Lieferanten, die Kontokorrentkonten automatisieren wollen.

Marco Polo mit neuer Zielgruppe

„Bei der Gründung von Marco Polo gab es eine Gruppe von Banken, die zusammenarbeiten wollten, um eine Mischung aus Kontokorrent- und Dokumentenhandel neu zu erfinden. Das haben wir getan, und was wir geschaffen haben, war wirklich gut, aber keine Bank wollte es nutzen, und es gab keine Beteiligung, also war es ein kommerzielles Desaster“, sagt Robert Barnes, CEO von Kanexa gegenüber „Global Trade Review“. Barnes war auch CEO und Co-Founder von Marco Polo gewesen.

Das Kernangebot sei laut Unternehmensangaben das Produkt „Open Account Automation“, das die Blockchain- und Cloud-Technologie nutzt, um Daten zwischen Käufern und ihren Lieferanten digital auszutauschen, mit den Vertragsbedingungen abzugleichen und Diskrepanzen auf der Grundlage von Regeln und trainierten Mustern zu lösen. Das Ergebnis sei ein „vollständig genehmigter, unveränderlicher digitaler Vermögenswert“ für jede Transaktion mit jedem Lieferanten. Dieser könne dann dazu genutzt werden, um Finanzierungen zu ermöglichen und Zahlungen auszuführen. Dabei arbeitet das Fintech mit einem ehemaligen Partner zusammen, der Bank of America.

Gegenüber DerTreasurer hat die Bank die erneute Zusammenarbeit bestätigt. Open Account Automation nutze dabei auch Daten der Banking-Plattform Cash Pro, die von mehr als 40.000 Kunden der Bank of America zur Verwaltung ihrer Finanz- und Handelsgeschäfte genutzt werde. Kanexa ist laut eigenen Angaben auch eine Partnerschaft mit dem Tech-Giganten IBM eingegangen.

Autorenbild Sarah Backhaus

Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, Transformation, Zahlungsverkehr und Cash Management.