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20.10.17 09:54

Innogy platziert Green Bond und schließt neuen Kredit ab

Von Antonia Kögler

Das RWE-Spinoff Innogy hat als erster deutscher Emittent einen Green Bond mit Benchmarkvolumen begeben. Treasury-Chef Volker Heischkamp spricht über die Hintergründe dieser Transaktion.

Das RWE-Spinn-off Innogy sorgt für eine Premiere am deutschen Green-Bond-Markt.

Innogy

Das RWE-Spinn-off Innogy sorgt für eine Premiere am deutschen Green-Bond-Markt.

Premiere am Kapitalmarkt: Das RWE-Spinoff Innogy hat nach eigenen Angaben als erstes deutsches Unternehmen einen Green Bond mit Benchmarkvolumen platziert. Das Papier über 850 Millionen Euro läuft zehn Jahre und ist mit 1,25 Prozent verzinst. Mit dem Erlös sollen vier Offshore-Projekte in Großbritannien und Deutschland sowie ein Onshore-Projekt in den Niederlanden refinanziert werden. Die Nachhaltigkeitsagentur Sustainalytics zertifizierte die Anleihe.

„Zu Beginn war es der Marketinggedanke: Innogy als neues, grünes Unternehmen sollte der erste deutsche Benchmark-Emittent im grünen Corporate Segment sein“, beschreibt Treasury-Chef Volker Heischkamp die Vorüberlegungen zu der Transaktion. Doch je mehr sich das Treasury-Team mit dem Thema beschäftigte, desto deutlicher sei das tiefergehende Investoreninteresse an dem Produkt geworden.

Die meisten Green-Bond-Zeichner wollen in Nachhaltigkeit investieren

Etwa 70 Prozent des Bonds ging an Investoren, die bei der Auswahl ihrer Investments die Nachhaltigkeit im Blick haben. Knapp die Hälfte wurde dabei von sogenannten Dark-Green-Investoren gezeichnet, also Anlegern, die ausschließlich in Papiere investieren, die ihren eigenen Nachhaltigkeitsstandards entsprechen.

Rund ein Viertel wurde von Light-Green-Investoren gezeichnet, die weniger strengen Regeln folgen. Laut Heischkamp waren diese auch zuvor schon in Innogy-Anleihen investiert. „Tatsächlich hat sich unsere Investorenbasis bei der Green-Bond-Emission also gar nicht so sehr von einer normalen Anleihe abgehoben, aber die Dynamik und Ordergrößen waren nochmals besser“, erklärt er.

Die Transaktion war rund fünffach überzeichnet. Heischkamp geht zudem davon aus, dass die Stabilität des Bonds in den Portfolios der Investoren größer sein wird: „Green Bonds werden vermutlich nicht die erste Assetklasse sein, die im Zweifelsfall umgeschichtet wird.“

Rating-Upgrade durch S&P gibt Bond-Emission Schub

Für Rückenwind bei der Emission sorgte die Ratingagentur S&P, die das Innogy-Rating während der zweitätigen Platzierungsphase von BBB- auf BBB hochstufte, der Ausblick ist nun stabil. Damit würdigt die Agentur, dass der Konzern seine Finanzierung nun vollständig vom Großaktionär  RWE getrennt hat.

Die Grundlagen dafür waren mit dem Börsengang und dem anschließenden Schuldnerwechsel über 11 Milliarden Euro geschaffen worden. In einem letzten Schritt schloss Innogy nun eine eigene syndizierte Kreditlinie über 2 Milliarden Euro ab. Gleichzeitig hat Innogy die Beteiligung an der syndizierten Kreditlinie von RWE gekündigt.

Koegler[at]derTreasurer.de

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