Der Schuldscheinmarkt ist in Bewegung, nicht alle Transaktionen gehen problemlos durch.

BrianAJackson/iStock/Thinkstock/Getty Images

27.04.18
Finanzen & Bilanzen

Kommt die Wende am Schuldscheinmarkt?

In den vergangenen Wochen mussten einige Schuldscheinemittenten bei ihren Transaktionen nachjustieren. Ob Einzelfälle oder Markttrend – der Schuldscheinmarkt ist in Bewegung.

Nach dem Schuldschein-Boom im Vorjahr mussten in den vergangenen Wochen gleich mehrere Schuldscheinemittenten bei ihren Transaktionen nachjustieren. Vor einigen Wochen war es Telefónica Deutschland (siehe DerTreasurer 4/2018). Nun hat der Telekommunikationsausrüster Adva Optical einem Bericht von Bloomberg zufolge bei seinem Schuldschein über 60 Millionen Euro das Pricing deutlich nach oben korrigiert. Zudem sei dem Schuldschein, den dem Bericht zufolge die Deutsche Bank arrangiert hat, neben der geplanten fünf- und siebenjährigen Tranche eine dreijährige Tranche hinzugefügt worden.

Auch VW Immobilien passte an: Bei dem grünen Schuldschein über 100 Millionen Euro wurde zwar nicht am Preis gerüttelt, an anderen Komponenten aber schon. „Es wurde eine Tranche mit fünfjähriger Laufzeit hinzugefügt“, erklärt Klaus Pahle, Head of Schuldschein Desk der ING Wholesale Banking, dessen Team die Transaktion begleitet. Das ursprüngliche Angebot bestand aus Tranchen mit Laufzeiten zwischen sieben und 15 Jahren.

Spread-Entwicklung am Schuldscheinmarkt

Für Klaus Pahle sind diese Fälle allerdings kein Indikator dafür, dass Investoren am Schuldscheinmarkt kritischer werden. Derartige Anpassungen hat es meiner Beobachtung nach auch in den vergangenen Jahren gegeben“, meint der ING-Experte. Er geht davon aus, dass die Konditionen am Schuldscheinmarkt weiterhin exzellent bleiben.

Eine Ausweitung der Spreads, wie wir sie am Anleihemarkt gesehen haben, erwarten wir am Schuldscheinmarkt in dieser Größe nicht“, erklärt er. Das könnte den Markt beflügeln: Wenn sich das Preisniveau am Schuldscheinmarkt stärker vom Anleihemarkt abkoppelt, dann könnte das dem Markt neuen Schwung geben“, argumentiert er.

Wenn die Spreads am Bond-Markt deutlich ansteigen, dann werden Schuldscheininvestoren über kurz oder lang fragen, was die nach wie vor extrem günstigen Preise am Schuldscheinmarkt noch rechtfertigt“, meint hingegen Ingo Nolden, Co-Head DCM von der HSBC. Wir erwarten ein tendenziell steigendes Preisniveau am Schuldscheinmarkt.“ Eine größere Korrektur gebe es zwar noch nicht, doch die aktuellen Preisanpassungen einiger Emittenten sind für Nolden zumindest die ersten Anzeichen.

Prognosen für das Schuldscheinjahr 2018

Die Erwartungen, wie hoch das Emissionsvolumen bei den Schuldscheinen ausfallen wird, gehen deshalb auch auseinander. Während die HSBC mit rund 20 Milliarden Euro in diesem Jahr rechnet, glaubt ING sogar, dass die 30-Milliarden-Euro-Marke fällt.

Koegler[at]derTreasurer.de

Bleiben Sie über die Marktentwicklung und einzelne Transaktionen mit unserer Themenseite zum Schuldschein auf dem Laufenden.