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15.04.20
Finanzen & Bilanzen

Corona sorgt für Flaute am Schuldscheinmarkt

Am Schuldscheinmarkt tut sich derzeit wenig. Schuld daran ist die Corona-Pandemie. Doch es gibt Hoffnung auf eine Belebung im Laufe des April.

 

Es gibt aufgrund der Coronakrise kaum Aktivitäten am Schuldscheinmarkt. "Seit Anfang März ist der Markt faktisch zum Erliegen gekommen", erklärt Heiko Möhringer, Schuldscheinspezialist von BNP Paribas. Viele Transaktionen würden derzeit verschoben oder auf Eis gelegt. Andere hätten sich statt eines Schuldscheins derzeit für eine Transaktion am gerade wieder geöffneten Bondmarkt entschieden.

„Die vereinzelten Schuldschein-Deals, die man sieht, sind nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt.“ Zu den wenigen Transaktionen, die es gab, zählten etwa die Lufthansa mit dem ungewöhnlich kurzlaufenden Schuldschein sowie Daimler mit einer Blockchain-Transaktion (DerTreasurer berichtete online) und die Stadtwerke Dortmund mit einem digitalen Schuldschein.

Bluechip-Namen könnten Schuldscheinmarkt eröffnen

Dass die Coronakrise zu einem Stopp am Schuldscheinmarkt führt, liegt laut Möhringer an der Struktur der Investorenschaft. „Viele Banken sind in dem Markt als Investoren aktiv. Und die haben derzeit einfach keine Kapazitäten für Schuldscheintransaktionen“, so der Experte. „Sie haben andere Aufgaben auf dem Tisch.“

Möhringer vermutet aber, dass der Markt gute Chancen hat, sich im Laufe des Aprils wieder zu öffnen. „Ich gehe davon aus, dass es wieder Interesse von Seiten der Investoren geben wird, sobald diese sich in der neuen Situation eingefunden haben.“ Die ersten Deals dürften wahrscheinlich den sogenannten Bluechip-Emittenten vorbehalten sein.

Höhere Preise und kürzere Laufzeiten wahrscheinlich

„Wenn ein paar Top-Namen an den Schuldscheinmarkt gegangen sind, kann die Aktivität im Laufe der nächsten Wochen wieder zunehmen.“ Allerdings werden die Finanzierungskosten deutlich steigen. Wie hoch der Anstieg ausfallen wird, lässt sich laut Möhringer nur schwer beziffern. „Man darf dabei nicht vergessen, dass die Preise zuletzt auf einem Rekordtiefpunkt lagen“, betont er. Die neuen Preise könnten eher wieder am langfristigen Mittelwert liegen, Extrempreise seien nicht zu erwarten.

Er rechnet zudem mit tendenziell kürzeren Laufzeiten und längeren Vermarktungsprozessen. Insgesamt dürften Investoren in kommenden Wochen selektiver agieren als zuvor.

Koegler[at]derTreasurer.de

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