Die deutsche Factoringbranche hat im vergangenen Jahr einen neuen Rekordumsatz verzeichnet.

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06.05.22
Finanzen & Bilanzen

Coronakrise beflügelt Factoring

Der Umsatz der Factoringbranche ist 2021 auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Ein Grund dafür dürfte die Coronakrise sein.

Speziell in Krisenzeiten ist Factoring ein stark gefragtes Finanzierungsinstrument. So war es auch in der Corona-Pandemie: Während im ersten Pandemiejahr 2020 der Umsatz der Factoringbranche nur leicht gestiegen ist, ist er im zweiten Coronajahr nahezu durch die Decke gegangen.

So wuchs der insbesondere im Mittelstand beliebte Forderungsverkauf im vergangenen Jahr deutlich um 10,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichte einen neuen Rekordwert von 309,4 Milliarden Euro. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Deutschen Factoring-Verbands hervor. Dieser repräsentiert fast das gesamte Factoringgeschäft in Deutschland.

Factoring-Quote steigt auf 8,7 Prozent

Laut dem Factoring-Verband ist das ein „überaus unerwartet positives Ergebnis im zweiten Pandemiejahr“. Bezogen auf das deutsche BIP, das 2021 um rund 2,7 Prozent gestiegen ist, konnte sich das Factoring demnach „vier Mal so stark entwickeln“. Die Factoring-Quote, die das Verhältnis zwischen angekauftem Factoring-Forderungsvolumen und dem Bruttosozialprodukt anzeigt, stieg auf 8,7 Prozent.

Auch im zweiten Jahr der Corona-Pandemie habe sich der alte Lehrsatz bestätigt, wonach Krisenjahre gute Jahre für die Finanzdienstleistung Factoring seien. Dies habe gleichzeitig dazu beigetragen, die Finanzierung von Unternehmen und Lieferketten aufrechtzuerhalten, heißt es seitens des Verbands. Über 80.000 Kunden nutzten demnach 2021 „erfolgreich Factoring“.

Für die Ende vergangenen Jahres erschienene Studie „Factoring für die neue Zeit“ hat F.A.Z. Business Media | research gemeinsam mit FINANCE und CRX Markets 140 Finanzentscheider aus Unternehmen in Deutschland befragt. Die Teilnehmer sind CFOs (21 Prozent), Leiter Treasury und Finanzen (39 Prozent) sowie Mitarbeiter der Treasury-Abteilung (19 Prozent).

Factoring spielt in der Krise seine Stärke aus

Gerade in Krisenzeiten spielt das Factoring seine Stärken aus, denn kurzfristige Forderungsfinanzierungen sind weniger risikobehaftet als beispielsweise langlaufende Bankdarlehen. Laut Factoringspezialist André Ofenloch vom Kredit- und Kautionsmakler Gracher nutzten Unternehmen aus den unterschiedlichsten Motivationen heraus den Forderungsverkauf: „Für Firmen mit guten Bonitäten kann das Instrument wegen der Bilanzverkürzung spannend sein“, sagte er in diesem Frühjahr zu DerTreasurer. Außerdem könnten sie Covenants und KPIs durch flexible Inanspruchnahme steuern. Andere Unternehmen brauchten Cash und haben mit Factoring eine Ergänzung zum Kontokorrentkredit.

Für dieses Jahr rechnet der Deutsche Factoring-Verband damit, dass das alternative Finanzierungsinstrument „weitere Marktanteile gegenüber klassischen Finanzierungsformen“ gewinnen kann – trotz der aufsichtsrechtliche Anforderungen, die dem Verband zufolge für die Branche herausfordernd sind. Wie eine weitere neue Studie von FINANCE und der Targobank zeigt, spielt Factoring speziell auch beim Working-Capital-Management derzeit eine sehr wichtige Rolle.

Paulus[at]derTreasurer.de