André Ofenloch ist seit Anfang 2020 ist er Head of Factoring bei Gracher Kautions- und Kreditmakler.

Gracher

15.03.22
Finanzen & Bilanzen

Factoring: „Deutlich unter 100 Basispunkten möglich“

Factoring hat in dem vergangenen Jahr einen Siegeszug angetreten. Was sollte man bei dem Instrument beachten? Factoringspezialist André Ofenloch teilt seine Einschätzungen.

Herr Ofenloch, wer nutzt derzeit Factoring?
Unternehmen aus sehr vielen verschiedenen Branchen und Situationen - und aus unterschiedlichsten Motivationen heraus. Für Firmen mit guten Bonitäten kann das Instrument wegen der Bilanzverkürzung spannend sein. Außerdem können sie Covenants und KPIs durch flexible Inanspruchnahme steuern. Andere Unternehmen brauchen Cash und haben mit Factoring eine Ergänzung zum Kontokorrentkredit. Factoring wird zudem gern im M&A-Kontext genutzt.

Wie genau?
Wenn Kaufpreise finanziert werden müssen oder Working-Capital-Alternativen nach dem Closing gesucht werden, kann das Instrument eine wichtige Rolle spielen. Das gilt speziell für strukturierte Finanzierungen im Private-Equity-Kontext. Am Ende geht es dann um die Transaktionssicherheit. Es kann aber auch ein Crossborder-Ansatz für Neuakquisitionen, Portfoliounternehmen oder Konzerntöchter im Ausland sein, die sich nicht über den Konzern finanzieren, sondern eigenes Working-Capital-Management betreiben wollen.

Factoring galt früher als „Lender of last Resort“: Wie sieht es heute in schwierigen Situationen aus?
In schwierigen Sanierungen kann Factoring durchaus ein relevantes Finanzierungsinstrument sein. Wenn ein sogenanntes S6-Gutachten vorliegt, das eine positive Fortführungsprognose bescheinigt, kann auch ein Factor als Liquiditätsstütze einspringen. Darin liegt unheimlich viel Potential: Während Banken oft nur 20 bis 30 Prozent der Forderungen als Sicherheit akzeptieren, können Factoringgesellschaften bis zu 90 Prozent beleihen. Das kann überlebenswichtig sein.

„In schwierigen Sanierungen kann Factoring durchaus ein relevantes Finanzierungsinstrument sein.“

André Ofenloch

Wie kommt es dazu?
Dies wird möglich, wenn der Anbieter das Verfahren selbstliquidierbar strukturiert, indem er die Fazilität auf die Werthaltigkeit, also die Verität der Forderungen, abstellt.

Bietet jede Factoringgesellschaft das an?
Nein, das erfordert von der Factoringgesellschaft sehr viel Expertise im Risikomanagement. Sie muss beispielsweise einschätzen können, wie Debitoren in der Insolvenz mit Forderungen umgehen. Es gibt auch Anbieter, die sich von solchen Fällen fernhalten und primär auf Basis guter Bonitäten strukturieren und finanzieren. Das geht dann eher in Richtung bankähnlicher Beordnung, die Veritätsthemen rücken eher in den Hintergrund.

Wie nutzen Automobilzulieferer Factoring? Wie haben sich die Preise entwickelt? Das vollständige Interview finden Sie im E-Magazin 4-2022.

Dentz[at]derTreasurer.de