Jens Küsters

02.11.20
Finanzen & Bilanzen

Infineon: „Heilfroh“ über hohen Term-Loan

Im April übernahm Infineon den US-Wettbewerber Cypress. Für Treasury-Chef Alexander Foltin und sein Team war die Finanzierung in Corona-Zeiten eine Herausforderung.

Mega-Deals sind für Treasury-Abteilungen immer herausfordernd. Als der Halbleiterhersteller Infineon im April für umgerechnet 9 Milliarden Euro den US-Wettbewerber Cypress übernahm, waren die Umstände allerdings besonders. Denn die Coronakrise hielt die Finanzierungsmärkte in Atem. „Auf einmal haben sich diverse Risiken materialisiert, die man sonst eher auf dem Papier durchrechnet“, erinnert sich Treasury-Chef Alexander Foltin im Gespräch mit DerTreasurer.

Bleiben die Banken engagiert? Gehen die Geldmarktfonds in die Knie, bei denen Infineon das bis dato bereits aufgenommene Geld für die Bezahlung des Kaufpreises geparkt hatte? Ist Infineon in der Lage, eine weitere Eigenkapitalfinanzierung zu stemmen? Diese Fragen stellten sich Foltin und sein Team im Frühjahr.

Kapitalerhöhung und Hybridanleihe zum Auftakt

Ein Problem: Die Münchener wollten zur Ablösung der Brückenfinanzierung noch eine Eigenkapitalfinanzierung und eine Fremdkapitalfinanzierung stemmen. Eine Kapitalerhöhung über 1,5 Milliarden Euro und eine Hybridanleihe über 1,2 Milliarden Euro hatte Foltins Team bereits 2019 kurz nach Signing des Deals eingetütet.

Wegen Corona hatte sich der Aktienkurs des Dax-Konzerns zwischen Mitte Februar und Mitte März allerdings auf 10 Euro mehr als halbiert. „Angesichts dieses Sinkflugs haben wir uns schon gefragt, wie stabil unser Finanzierungskonzept sein würde“, erklärt der Infineon-Treasurer. Man sei damals „heilfroh“ über den hohen Term-Loan-Anteil in der Akquisitionsfinanzierung gewesen. Der Kredit über 3,3 Milliarden US-Dollar läuft in drei jeweils gleich großen Tranchen bis 2022, 2023 und 2024. Auch die Brücke über 6,6 Milliarden Euro hatte Infineon bis längstens März 2022 abgeschlossen.

Pläne B und C für die Finanzierung

„Wir haben in dieser Zeit extrem viele Gespräche mit Banken geführt, um sie zu beruhigen und klarzumachen, dass wir ein gesundes Geschäftsmodell haben“, berichtet Foltin. Seine Doppelrolle als Treasury- und Investor-Relations-Chef habe ihm dabei auf dem Höhepunkt der Krise sehr geholfen: „Als Treasury-Chef konnte ich gegenüber den Aktionären glaubhaft versichern, dass die Finanzierung des Deals steht.“ Parallel dazu schmiedete sein Team Pläne B und C, um die Ablösung der Brücke doch noch schnellstmöglich hinzubekommen und nicht von einzelnen Banken abhängig zu sein.

Wie diese Pläne aussahen und ob sie zum Einsatz kommen mussten, das erfahren Sie im ausführlichen Interview mit Alexander Foltin in unserer aktuellen Printausgabe, die Sie hier als E-Paper beziehen können.

Buchholz[at]derTreasurer.de