Das 2-Grad-Ziel steht beim Terra-Ansatz der ING im Fokus.

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08.09.20
Finanzen & Bilanzen

Klimaziele: ING durchleutet Kreditbuch

Auch für Geldinstitute wird das Thema Nachhaltigkeit immer zentraler. Die niederländische Bank ING will Portfolio nun an das 2-Grad-Ziel anpassen – und dabei einen Marktstandard entwickeln.

Nicht nur institutionelle Investoren achten bei der Geldanlage verstärkt auf Nachhaltigkeitsfaktoren. Auch Banken nehmen diese Aspekte bei ihren Kreditentscheidungen stärker in den Blick. Die niederländische ING hat beispielsweise den sogenannten Terra-Ansatz entwickelt. „Wir richten unser Kreditbuch danach aus, dass es dem 2-Grad-Ziel – oder am besten noch deutlich darunter – entspricht“, erklärt Marco Schoneveld, Sustainability Representative bei der ING. Derzeit belaufe sich das Kreditbuch auf rund 600 Milliarden Euro.

Anhand von Berechnungsmodellen wie der Open-Source-Anwendung Pacta (Paris Alignment Capital Transition Assessment) und dem Sectoral Decarbonisation Approach der Initiative Science Based Targets ermittelt die Bank, wie groß der CO2-Ausstoß ihrer Assets im Kreditbuch ist.

Die Betrachtung erfolgt nach Sektor, doch die Berechnungen sind komplex. Pro Sektor wird ein alternativer Technologiefahrplan entwickelt, um die notwendige Transition des Sektors zu beschreiben. „Die Betrachtung ist abhängig von der Art der Energie, des Fahrzeugs, des Gebäudes, des Flugzeugs oder der Anlagen, die die Unternehmen besitzen, betreiben oder produzieren“, beschreibt er.

Einzelanlaysen bei Großkonzernen geplant

Bei Großkonzernen will die ING diese Analyse sogar auf Einzelkundenebene herunterbrechen. Das gäbe der Bank eine bessere Grundlage für die Gespräche mit den Unternehmen, die in ihrer Transformation noch ganz am Anfang stünden, so Schoneveld.

So spielen auch die geplanten Investitionsausgaben bei der Analyse eine Rolle. „Damit einher geht, dass wir uns aus den Geschäftsmodellen zurückziehen werden, die aus unserer Sicht keine Möglichkeit zur Entwicklung eines nachhaltigen Geschäfts haben“, betont er zudem. Noch seien im Zuge der Anwendung des Terra-Ansatzes aber keine Kundenbeziehungen beendet worden.

Der Banker beobachtet, dass inzwischen zwar vielen Unternehmen bewusst geworden sei, dass sie eine nachhaltige Geschäftsgrundlage erarbeiten müssten. „Aber wir führen auch schwierige Gespräche, wenn die Transformation nicht mit dem nötigen Nachdruck vorangetrieben wird“, beschreibt er.

ING will Marktstandard kreieren

Der Terra-Ansatz sei ein Versuch der ING, einen Marktstandard für die Ermittlung der Klimabilanz im eigenen Kreditbuch zu schaffen. „Nur wenn das Vorgehen aller Marktteilnehmer vergleichbar ist, entsteht auch Transparenz darüber, welche Fortschritte wir machen“, argumentiert er. 38 Banken haben sich der Initiative laut ING bereits angeschlossen. Eine deutsche Bank ist allerdings noch nicht darunter. Den nächsten Report zum eigenen Fortschritt will die ING im Oktober 2020 veröffentlichen.

Koegler[at]derTreasurer.de

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