Nestlé hat über CRX Markets eine nachhaltige Lieferantenfinanzierung verbrieft. Auch für den Marktplatz war es eine Premiere.

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15.07.20
Finanzen & Bilanzen

Novum bei Sustainable Supply Chain Finance

CRX-Markets-Chef Frank Lutz spricht über die nachhaltige Lieferantenfinanzierung von Nestlé, die über den Marktplatz lief. Auch für ihn war es eine Premiere.

Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat erstmals eine nachhaltige Lieferantenfinanzierung verbrieft und nutzte dafür den Marktplatz für Working-Capital-Finanzierung von CRX Markets, für den die ESG-Komponente der Transaktion ebenfalls eine Premiere war. Verbrieft wurde ein Bündel von Rechnungen eines zertifizierten Kaffeelieferanten, der an einem seit 2003 bestehenden Nachhaltigkeitsprogramm von Nestlé teilnimmt. Die Zertifizierung der Kaffeeproduzenten erfolgt dabei durch die Rainforest Alliance.

„Die Rechnungen wurden über CRX Markets verbrieft und in einem Auktionsverfahren an Banken und andere Investoren verkauft“, beschreibt Frank Lutz, Chef des Münchener Fintechs, den Prozess. Das Besondere: „Durch die ESG-Komponente wurde ein echter finanzieller Vorteil für den Lieferanten geschaffen“, betont Lutz. Die Spreads hätten im niedrigen zweistelligen Basispunktbereich unter vergleichbaren Transaktionen gelegen. Auch bei einer weiteren Verbriefung von Nestlé waren die Spreads höher. „Damit haben Unternehmen ein handfestes Argument, ihre Lieferanten zu mehr Nachhaltigkeit anzuhalten“, betont Lutz.

Großes Potential für Lieferantenfinanzierungen

Es hat ihn zudem positiv überrascht, dass auch Banken bereit waren, für dieses Papier auf Rendite zu verzichten. „Es gibt separate Töpfe bei den Geldinstituten, die solche Investitionen möglich machen“, erklärt Lutz.

Der CRX-Markets-Chef geht davon aus, dass es künftig weitere solche Transaktionen geben wird. „Viele Unternehmen haben bereits Zertifizierungsprogramme für ihre Lieferanten etabliert. Für sie wäre es relativ unkompliziert, diese mit Supply-Chain-Finance-Produkten zu verknüpfen.“ Lutz glaubt, dass im laufenden Jahr etwa 5 bis 10 Prozent des Gesamtvolumens über den CRX-Marktplatz als nachhaltige Verbriefung laufen könnte. Auch Nestlé will sein ESG Supply Chain Finance Program weiter ausbauen.

Kostenseitig spielt es für die Nutzung des CRX-Marktplatzes keine Rolle, ob eine Transaktion nachhaltig ist oder nicht. Lutz geht allerdings davon aus, dass ESG-Verbriefungen vor allem Unternehmen offenstehen, die einen Namen im Markt haben und die nachhaltige Arbeitsweise ihrer Lieferanten glaubwürdig nachweisen können. CRX Markets nimmt keine Prüfung der Nachhaltigkeitskriterien vor. „Darüber müssen sich Investoren selbst ein Bild machen“, sagt Lutz. Für kleinere Unternehmen, die ihre Lieferanten von mehr Nachhaltigkeit überzeugen wollen, könnte daher eine Zertifizierung einer etablierten unabhängigen Agentur hilfreich sein.

Koegler[at]derTreasurer.de

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