Wie entwickelt sich der Factoringmarkt in den nächsten Monaten?

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30.08.22
Finanzen & Bilanzen

Factoringmarkt könnte ins Wanken kommen

Der Boom am Factoringmarkt setzt sich fort: Auch im ersten Halbjahr war das Instrument sehr gefragt. Doch über dem Markt stehen dunkle Wolken – Experten rechnen mit einem Einbruch.

In Krisenzeiten ist Factoring ein stark gefragtes Finanzierungsinstrument – selbst nach Einbruch des Ukraine-Kriegs. So setzten im ersten Halbjahr 2022 viele Unternehmen auf das Instrument. Die Umsätze der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbands stiegen auf 182,4 Milliarden Euro, das sind rund 24 Prozent mehr als ersten Halbjahr 2021 (146,5 Milliarden Euro). Die Mitglieder machen laut eigenen Aussagen rund 98 Prozent des gesamten verbandlich organisierten Factoring-Volumens in Deutschland aus.

Nicht nur das Volumen, auch die Kundenzahl legte zu. Der Verband verbuchte 33 Prozent mehr Kunden gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt zählte er im ersten Halbjahr 105.600 Kunden. „Dieses Wachstum ist aber auch durch Neuzugänge im Verband begründet“, erklärt der Verband.

Factoring profitiert von Nachholeffekten

Die hohe Nachfrage resultiert offenbar auch aus den Nachholeffekten nach der Pandemie. „Erneut konnte Factoring sich als Stabilitätsanker und Liquiditätsbringer in Krisenzeiten beweisen“, sagt Helmut Karrer, Mitglied des Vorstandes.

Dabei war das Instrument international noch gefragter als national. Das nationale Geschäft wuchs um 18,8 Prozent auf 126,1 Milliarden Euro und das internationale Geschäft um 39,4 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro. Waren und Dienstleistungen aus Deutschland sollen trotz aller gegenwärtigen Herausforderungen in den Lieferketten stark nachgefragt worden sein.

Factoring: ein Fünftel sieht negative Tendenz

Die Euphorie am Factoringmarkt könnte allerdings schnell wieder abebben, fürchten Verbandsmitglieder. Durch die Folgen des Ukraine-Kriegs, gestörte Lieferketten und der Inflation könnte es zu einer „deutlichen Abkühlung“ im Markt kommen.

So sehen nur noch 33 Prozent der Verbandsmitglieder „gute“ oder gar „sehr gute“ Aussichten für das noch laufende Jahr. Ende 2021 waren es noch 60 Prozent. Die große Mehrheit, fast 48 Prozent, sieht lediglich noch „befriedigende“ Aussichten, das sind 10 Prozent mehr als bei der letzten Befragung. Knapp 19 Prozent sehen nur „ausreichende“ oder schlechtere Tendenzen, das gaben zuletzt nur 2 Prozent an.

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