Die diesjährige Structured FINANCE hat am heutigen Mittwochmorgen begonnen. Nach einer kurzen Begrüßung startete der erste Kongresstag mit einer Podiumsdiskussion. Im ersten Plenum tauschten sich CFOs zu den gegenwärtigen Herausforderungen rund um die Themen Ukraine-Krieg, klemmende Lieferketten und Zinswende aus.
Alle anwesenden CFOs – Jochen Goetz (Daimler Truck), Jörg Bremer (KraussMaffei), Thomas Löhr (Georgsmarienhütte Holding), Roland Mauss (Oryx Stainless) und Louise Öfverström (designierte CFO von Nemetschek) – waren sich einig: In den gegenwärtigen Herausforderungen ist Flexibilität besonders gefragt. „Man braucht immer einen Plan B“, sagte beispielsweise Daimler-Truck-CFO Jochen Goetz. Jörg Bremer von KraussMaffei ergänzte: „Es ist extrem wichtig, den Headroom so groß wie möglich zu halten.“
CFOs setzen auf einen stabilen Bankenkreis
Ein stabiler Bankenkreis sei dabei unerlässlich. „Wir haben seit 2002 den gleichen Bankenkreis. Das ist in schwierigen Zeiten extrem hilfreich“, glaubt Thomas Löhr, CFO des Stahlproduzenten Georgsmarienhütte Holding. Jörg Bremer von KraussMaffei sieht das auch so, betont aber, dass neue Bankpartner auch neue Ideen brächten. Deshalb hat der Maschinenbauer bei der Neustrukturierung seiner Finanzierung vor einiger Zeit auch Banken, mit denen das Unternehmen bis dahin noch nicht zusammengearbeitet hatte, zu Gesprächen eingeladen.
Roland Mauss, Finanzchef des Edelstahlschrotthändlers Oryx Stainless, baut ebenfalls auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Banken. „Als Anfang März 2022 der Nickel-Preis in die Höhe geschossen ist, standen die Banken hinter uns und haben uns unterstützt.“ Der Edelstahlschrotthändler setzt seit Jahren auf eine Borrowing-Base-Finanzierung, die das Unternehmen aus Dordrecht/Mülheim an der Ruhr erst vor kurzem refinanziert hat. Diese bietet sich insbesondere für Unternehmen an, die stark schwankende Bestände oder eine hohe Volatilität in den Preisen haben.
Louise Öfverström, ab Januar 2023 CFO des Softwareanbieters Nemetschek, hingegen betont die Bedeutung der Innenfinanzierung für ein Unternehmen. „Am gesündesten ist es, eine starke Innenfinanzierung zu haben.“
CFOs sehen Zinswende als Normalisierung
Beim Thema Finanzierung spielt aktuell die Zinswende eine große Rolle. Insbesondere bei der Neuverhandlung von Krediten ist aufgrund der höheren Basiszinsen und Risikoprämien mit steigenden Kosten und mehr Covenants zu rechnen. „Die Zinswende tut an jedem Punkt, der steigt, weh“, sagt Löhr von der Georgsmarienhütte. Der CFO setzt auf eine kontinuierliche Zinssicherung. Aber einige der am Plenum teilnehmenden Finanzchefs betonen, dass die Zinswende längst überfällig gewesen sei: „Es ist eine Normalisierung“, sagt Goetz von Daimler Truck. „Zinsen spielen wieder eine Rolle und das ist gut so.“ Geld koste wieder etwas. „Wir gehen in einen gesünderen Markt zurück“, ist Finanzchefin Öfverström überzeugt.
Die gegenwärtigen Herausforderungen rund um Ukraine-Krieg, Inflation, Zinswende, klemmenden Lieferketten und Energiekrise werden auch im kommenden Jahr weiterhin präsent sein, aber die anwesenden CFOs blicken dennoch positiv in die Zukunft. „Ich bin CFO und deshalb Berufs-Optimistin“, sagt Öfverström mit Blick auf das Jahr 2023. „Aber man muss sich die Flexibilität weiter behalten.“
Auch Daimler-Truck-CFO Goetz geht von einem volatilen Jahr aus. Oryx-Stainless-CFO Mauss ergänzt: „Es bleibt schwierig, aber meine Hoffnung ist, dass China seine Zero-Covid-Policy aufgibt.“ Auch an anderer Stelle bleibt die Hoffnung, dass der Sturm langsam nachlässt und die Zeiten wieder etwas ruhiger werden.
Sabine Paulus ist Redakteurin bei DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Finanzierung, Fintechs sowie Personal und Organisation im Treasury.

