Treasury-Chef Ulf Loleit (links) und IR- und Rating-Leiter Charbel Chamoun erklären, wie sich die Finanzierungsstrategie von ZF in den vergangenen Monaten verändert hat.

ZF Friedrichshafen; Montage: DerTreasurer

16.06.21
Finanzen & Bilanzen

„Der Schuldscheinmarkt hat seine Grenzen“

ZF hat in den vergangenen Monaten mehrere Anleihen platziert. Damit hat sich der Automobilzulieferer von den Deal-getriebenen Transaktionen endgültig verabschiedet. Wie die neue Finanzierungsstrategie von ZF aussieht, erläutern Treasury-Chef Ulf Loleit und IR- und Rating-Leiter Charbel Chamoun im Interview.

ZF hat in den vergangenen acht Monaten vier Anleihen in einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden Euro platziert und sich damit fast schon zum Frequent Issuer entwickelt. Wann haben Sie sich dazu entschlossen, Ihre Finanzierungsstrategie zu verändern?
Ulf Loleit: 2015 haben wir unser Debüt am Anleihemarkt gegeben, um die Übernahme des US-amerikanischen Automobilzulieferers TRW Automotive zu finanzieren. Bis dahin war der Konzern nur gering verschuldet und ohne Rating. Auch beim Erwerb des amerikanisch-belgischen Bremsenhersteller Wabco haben wir wieder auf den Kapitalmarkt zurückgegriffen. Daher ist es für ZF nur folgerichtig, diesen Weg fortzusetzen.

ZF Friedrichshafen: Fremdkapital hauptsächlich Anleihen

Bankdarlehen spielen bei ZF also künftig nur noch eine untergeordnete Rolle?
Loleit: Ja, schon heute stammen etwa 65 Prozent unseres Fremdkapitals aus Anleihen.

Welche Bedeutung haben Schuldscheine für Sie?

Loleit: Der Schuldscheinmarkt ist ein etablierter Markt. Er bietet eine gute Finanzierungsoption, und wir haben ihn schon mehrfach erfolgreich genutzt. Aber er hat Grenzen mit Blick auf seine Aufnahmefähigkeiten. Mit unseren Jumbo-Schuldscheinen über jeweils mehr als 2 Milliarden Euro, die wir 2015 und 2019 platziert haben, haben wir das Marktvolumen gut ausgeschöpft. Im Vergleich ist der Anleihemarkt deutlich aufnahmefähiger und bietet zudem auch ein breites Spektrum an Investoren.

Mit Ihrem 2020 aufgesetzten EMTN-Programm über insgesamt 7,5 Milliarden Euro haben Sie die Voraussetzungen geschaffen, um den Kapitalmarkt aktiv zu nutzen. Ist das Programm eine Lehre aus der Corona-Pandemie, als die Finanzierungsmärkte zeitweise geschlossen waren?
Loleit: Nein, das hat nichts mit der Pandemie zu tun. Das Thema stand bei uns schon vor Corona auf der Themenliste für das Jahr 2020. Treiber hierfür ist unsere Strategie „Next Generation Mobility“. Diese erfordert erhebliche Vorleistungen im Bereich Elektronik und Software, aber auch um die Elektromobilität auszubauen und die Abhängigkeit vom Verbrennungsmotor weiter zu verringern. Die dafür notwendigen Investitionen finanzieren wir im Wesentlichen mit Fremdkapital.

In den Jahren 2022 bis 2024 hat ZF mit insgesamt 5,4 Milliarden Euro recht hohe Fälligkeiten. Wie ZF diese refinanzieren will, wie dabei die Sekundärmarktkurve des Konzerns hilft und wie sich die Investorenkommunikation von ZF durch die stärkere Hinwendung zum Bondmarkt verändert hat, erfahren Sie nach dem Login im vollständigen Interview im E-Magazin 11-2021.

Paulus[at]derTreasurer.de