Zahl der Rating-Downgrades nimmt zu

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In den vergangenen Jahren sorgten zuerst die Corona-Pandemie und nun der Krieg in der Ukraine für deutlich sichtbare Auswirkungen auf die Unternehmensbonität. Nachdem die Pandemie in ihrem ersten Jahr für zahlreiche Downgrades bei den Ratings sorgte, waren die Unternehmen 2021 wieder in der Spur. Das Verhältnis von Upgrades zu Downgrades stieg 2021 auf einen Wert von 2,3x, wie eine aktuelle Analyse der LBBW zeigt. Das ist der beste Wert, den es bislang gegeben hat, nächstbester Wert ist 1,8x im Jahr 2018. Anders formuliert, bedeutet das, dass 2021 70 Prozent aller Ratingänderungen eine Verbesserung bedeuteten. Im Jahr 2020 waren es dagegen etwa 80 Prozent Downgrades.

Doch der Höhenflug wurde nun unter anderem durch den Krieg in der Ukraine gestoppt. „Im ersten Quartal gab es weltweit mit 87 Downgrades bereits mehr Herabstufungen als im gesamten ersten Halbjahr des vergangenen Jahres“, erklärt Matthias Schell, Credit Analyst bei der LBBW. Auch in Deutschland gibt es einige Firmen, die ein Downgrade verkraften mussten: Traton wurde von Moody’s auf Baa2 gesetzt, das Rating von Wittur sank sogar auf Caa1. Wepa erhielt ebenfalls von Moody’s im März ein Downgrade auf B1. Voith bekam zum Jahresbeginn von Scope eine Herabstufung auf BB+.

Ukraine-Krieg und Lieferkettenprobleme belasten

Das Verhältnis von Upgrades zu Downgrades liegt damit im ersten Quartal bei 0,5x. „Der Krieg in der Ukraine verursachte beziehungsweise verschärfte die Problematik mit Lieferketten, Energiepreisen und Kostendruck“, erklärt Schell. „Einzelne Branchen und Unternehmen sind davon stärker betroffen und leiden daher noch mehr als unter den ohnehin allgemein negativen Auswirkungen auf die Konjunktur.“ Dazu zählen vor allem viele russische und ukrainische Unternehmen, die im März in den High-Yield-Bereich rutschten.

Wenn der Krieg nicht bald endet, dürfte sich der Downgrade-Trend fortsetzen. „Dann wird es zunehmend schwerer, die stark gestiegenen Rohstoffpreise und Kosten an die Abnehmer weiterzugeben“, erklärt der LBBW-Analyst.

Für eine weitere Belastung in einem ohnehin schwierigen Umfeld dürften zudem steigende Refinanzierungskosten werden. In der Breite sollte sich der Zinsanstieg bei den europäischen Corporates aber nicht auf die Ratings auswirken, da sich die Zinsbelastungen im historischen Vergleich immer noch auf einem relativ niedrigen Niveau befänden, argumentiert Schell. Für von Downgrades bedrohte Unternehmen scheint der Druck, offene Finanzierungsfragen schnell anzugehen, dadurch aber noch weiter zu steigen.

Antonia Kögler ist Redaktionsleiterin bei DerTreasurer. Sie schreibt über Finanzierung und Asset Management und verfolgt alle Entwicklungen rund um das Thema Sustainable Finance.