Wie hat sich der Arbeitsmarkt für Treasurer entwickelt?

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19.08.21
Persönlich & Personal

Treasurer gefragter denn je

Unternehmen suchen händeringend Treasury-Spezialisten. Vor allem Liquiditätsplaner sind derzeit sehr gefragt.

Die Nachfrage nach Treasury-Experten hat im ersten Halbjahr 2021 ein neues Rekordniveau erreicht: Wie eine Auswertung der Treasury-spezifischen Stellenausschreibungen ergab, waren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 243 Jobs für Treasurer inseriert. Das sind deutlich mehr als im bisherigen Rekordhalbjahr, das auf 129 Stellenausschreibungen kam (H1-2020). Allein der Onlinehändler Zalando suchte in den vergangenen Monaten drei Spezialisten für sein Team, C&A und Douglas hatten ebenfalls zwei Inserate.

Liquiditätsplaner sind gefragt

Was sind die Gründe für diesen Riesensprung der Treasury-Nachfrage? Ein Erklärungsansatz ist, dass die Corona-Pandemie den Bedarf an Treasury-Fähigkeiten deutlich gestärkt hat. So sind Spezialisten der Liquiditätssicherung seit jeher in Krisenzeiten besonders begehrt. Die Personalvermittler von Robert Half sehen hier den Grund für die Nachfrage: Nach dem Stillstand infolge des ersten Lockdowns und einem länger anhaltenden Tief zwischen den Jahren hat die Nachfrage - bedingt durch Liquiditätsprobleme in vielen Unternehmen - wieder angezogen", heißt es auf Anfrage von DerTreasurer. Die Personalberater sehen darin aber eher einen Nachholeffekt, mit einer nachhaltigen personellen Aufstockung der Treasury-Abteilungen rechnen sie nicht.

Dass die Coronakrise den Bedarf an Treasury-Fachkräften zumindest zeitweise erhöht hat, zeigt sich auch mit Blick auf die von Unternehmen gesuchten Fähigkeiten: Am gefragtesten sind Kenntnisse in der Liquiditätsplanung, die 69 Prozent der Firmen explizit suchen. Auf Platz 2 rangieren Finanzierungskenntnisse, die in 55 Prozent der Stellenanzeigen genannt sind. Beide Themenfelder rückten durch die Pandemie in den Fokus. Das Treppchen komplettiert der Bereich Cash Management (53 Prozent).

Auch in vermeintlichen Randbereichen des Treasury zeigen sich in der Stellenmarktauswertung einige bemerkenswerte Bewegungen. So wünschten sich 13 Prozent der Unternehmen Wissen im Bereich Working Capital - deutlich mehr als die 5 Prozent aus dem vergangenen Halbjahr. Kenntnisse im Debitorenmanagement suchte jede zehnte Treasury-Abteilung. Im vorangegangenen Halbjahr hatte kein einziges der 116 Inserate das als gewünschtes Wissen angegeben.

Die Anstiege in diesen zwei Bereichen sind folgerichtig: In der Krise optimierten viele Konzerne ihr Working Capital Management. Das Treasury kann dazu beitragen - etwa durch aktives Kreditmanagement, Forderungsverkäufe oder den Aufbau von Lieferantenfinanzierungsprogrammen. Außerdem ist auch Versicherungs-Know-how - womöglich angekurbelt durch die ebenfalls krisenbedingten Verwerfungen im Bereich Warenkreditversicherungen - als gesuchtes Wissen von 5 auf 11 Prozent gestiegen.

Treasury: IT und Zahlungsverkehr verlieren

Andere Bereiche verlieren dagegen an Bedeutung: IT-Kenntnisse, die zuletzt noch sieben von zehn Konzernen forderten, kommen nun nur noch auf 37 Prozent. Das ist der größte Rückgang im Ranking von DerTreasurer - bedingt allerdings auch durch eine veränderte Systematik in der Analyse: Anders als bei früheren Auswertungen der Stellenausschreibungen müssen diese nun entweder explizit eine hohe IT-Affinität oder konkrete Software-Fähigkeiten etwa rund um die Treasury-Systemlandschaft erwähnen. Einfachste Kenntnisse wie etwa MS-Office-Wissen werden von nun an in der Stellenauswertung nicht mehr als IT-Fähigkeit klassifiziert.

Zu den Verlierern gehört auch der Bereich Zahlungsverkehr, der um 13 Prozentpunkte auf 40 Prozent absackt. Ein Grund dafür könnte sein, dass viele Großkonzerne ihren Zahlungsverkehr in den vergangenen Jahren bereits weitgehend zentralisiert haben. Zudem gibt es derzeit kein übergeordnetes regulatorisches Thema, das die Unternehmen zwingend angehen müssen, wie vor einigen Jahren die Umstellung auf Sepa.

Treasury: mehr mobiles Arbeiten

Die Stellenauswertung bestätigt darüber hinaus eine andere Theorie: Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass sich Finanzabteilungen zunehmend von der Präsenzpflicht entfernen. Unternehmen werben aktiv mit Angeboten, die über den klassischen "9-to-5"-Job hinausgehen. 99-mal werden etwa flexible Arbeitszeiten angepriesen, hinzu kommen zahlreiche Erwähnungen von Home Office (26-mal) und mobilem Arbeiten (20-mal). "Anforderungen wie eine hohe Standortgebundenheit oder 100 Prozent Präsenzerwartung werden künftig immer stärker zum Wettbewerbsnachteil bei der Personalgewinnung", sagte unlängst Marcus Lindmayer von der Personalberatung Hays (DerTreasurer 11/2021). Das scheinen viele Unternehmen erkannt zu haben.

j.eich[at]dertreasurer.de