Klaus Lange

25.09.18
Risiko Management

Bahn-Treasurer warnt vor Brexit-Folgen

Das (nicht) clearingpflichtige Derivategeschäft wird die Marktteilnehmer vor große Herausforderungen stellen, glaubt das Deutsche Aktieninstitut. Deshalb fordert die Interessenvertretung Übergangsfristen.

Die Brexit-Verhandlungen machen derzeit kaum Fortschritte. Nun mahnt das Deutsche Aktieninstitut (DAI), die „Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich endlich auf eine neue tragfähige Grundlage zu stellen“. Deshalb hat die Frankfurter Vertretung der kapitalmarktorientierten deutschen Unternehmen ein drittes Positionspapier vorgelegt, das Problemstellungen bei Zöllen, Produktzulassungen, im Datenschutz und bei Derivaten thematisiert.

Insbesondere der zuletzt genannte Aspekt entpuppt sich aus Treasury-Sicht immer mehr als Knackpunkt. Klar ist: Nach einem Brexit ist das Angebot von Derivateverträgen aus dem Vereinigten Königreich in die Europäische Union über einen EU-Pass gemäß Emir und Mifid II/Mifir 25 nicht mehr möglich. Es sei deswegen absehbar, dass die Auswirkungen des Brexit auf das (nicht) clearingpflichtige Derivategeschäft die Marktteilnehmer vor große Herausforderungen stellen wird, heißt es seitens des DAI. Unternehmen müssten deshalb prüfen, so die Interessenvertretung, ob und wie eine Verlagerung von OTC-Derivaten sowie des zugehörigen Clearings möglich ist.

„Wichtig ist, dass bestehende Absicherungsgeschäfte mit britischen Handelspartnern wahlweise fortgeführt oder auf deren kontinentaleuropäischen Konzerngesellschaften übertragen werden können, ohne dass das Hedge Accounting unter IFRS gefährdet wird,“ betont Wolfgang Bohner, Leiter Finanzen und Treasury bei der Deutschen Bahn.

Engpass bei FX- und Zinssicherungen nach Brexit möglich

Wie Recherchen von DerTreasurer ergeben haben, rechnen Experten damit, dass nicht alle Banken ihre Geschäfte rechtzeitig zum geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU im März 2019 komplett verlagert haben werden (siehe E-Magazin 17-2018). Das könnte speziell im Mittelstand bei einzelnen Bankleistungen wie FX- und Zinssicherungen zu einem Engpass führen. Zudem ist aus Marktkreisen zu hören, dass britische Banken durchaus ihr Engagement in Europa auf den Prüfstand stellen.

Um Marktverwerfungen und Nachteile für europäische Marktteilnehmer im Derivatebereich zu vermeiden, bedürfe es einer Übergangszeit mit Bestandsschutzregelung für bestehende Derivategeschäfte, fordert deshalb das DAI einmal mehr.

Dentz[at]derTreasurer.de

Keine Neuigkeiten aus dem Treasury mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos den DerTreasurer-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.