Kautionsversicherer spüren den Einfluss der Coronakrise.

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15.05.20
Risiko Management

Kautionsversicherer prüfen seit Coronakrise kritischer

Noch stehen die Kautionsversicherer zu ihren Versprechen. Doch eine aktuelle Umfrage unter wichtigen Anbietern hat erbracht, dass saftige Preiserhöhungen drohen. Manche Branchen sind ganz ausgegschlossen.

Kautionsversicherer prüfen Neuengagements derzeit kritischer als noch vor wenigen Wochen. Das hat eine Marktbefragung des Kredit- und Kautionsmaklers Gracher erbracht. Demnach haben die Kautionsversicherer momentan zwar noch keine Coronakrise-bedingten Ausfälle zu verzeichnen. „Dafür schauen sie insbesondere bei Unternehmen mit schwächeren Bonitäten genauer hin“, sagt Alfons Maria Gracher, Geschäftsführer des Maklers. „Und sie werden vermutlich auch Preise erhöhen, mittelfristig im Schnitt um 10 Prozent.“

In Einzelfällen sei sogar eine Verdoppelung der Prämien möglich. Spätestens 2021, wenn die 2020er Jahresabschlüsse erscheinen, dürften sich die Preiserhöhungen verstärken, vermutet der Makler.

Versicherer stehen zu Aussagen, sind aber wenig flexibel

Gracher hat nach eigenen Angaben rund zehn Gesellschaften befragt, die rund 80 Prozent des Marktvolumens ausmachen. Zu den Anbietern, die im Geschäft mit Kautionsversicherungen aktiv sind, zählen etwa Zurich, R+V, Euler Hermes, VHV, Axa und Ergo. Die Versicherer springen vor allem dann ein, wenn Vertragserfüllungsbürgschaften oder Auszahlungsbürgschaften benötigt werden, wie etwa im Maschinen- und Anlagenbau. Dort sind die Kautionsversicherungen wichtige Instrumente im Risikomanagement der Unternehmen.

Noch stünden die Kautionsversicherer zwar zu ihren Zusagen, beobachtet Alfons Gracher. Doch sie seien derzeit sehr zurückhaltend, „bestehende Verträge um neue Avalarten zu erweitern oder Limite zu erhöhen“, berichtet er. „Die Versicherer schauen sehr genau auf den Vertragstext. Das bedeutet Stabilität bei den bestehenden Vereinbarungen, aber wenig Flexibilität für Anpassungen.“

Versicherer schließen stark betroffene Branchen aus

Einzelne Versicherer haben aber auch zeitweise einige Bürgschaftsarten wie Warenlieferungen oder bestimmte Branchen ausgeschlossen. Dazu gehörten laut Gracher etwa die von der Coronakrise derzeit besonders betroffenen Branchen wie Touristik, Luftfahrt, Gastronomie und Hotellerie, Einzelhandel (ohne Lebensmitteleinzelhandel) sowie Kinos und Vergnügungsparks. Aber auch Öl, Gas und Renewables im Energiesektor sowie Automotive würden vereinzelt ausgeschlossen.

Während bei vielen Bauunternehmen das Geschäft nahezu reibungslos weiterlaufe, haben Anlagenbauer wegen der Reisebeschränkungen oft keinen Zugang zu internationalen Baustellen. Maschinenbauer kämpfen hingegen mit gestörten Lieferketten.

Die Folge: Wer die Möglichkeit zur Erweiterung von Bürgschaftsarten und Linien nicht vertraglich fixiert habe, habe aktuell eine „schwierige Verhandlungsposition“, sagt Alfons Gracher.

Dentz[at]derTreasurer.de

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