BMW mit Milliarden-Swap auf Sofr

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Der Autobauer BMW positioniert sich erneut als First Mover bei der Reform der Referenzzinssätze: Der Dax-Konzern hat Swaps im Volumen von 1,25 Milliarden US-Dollar abgeschlossen, die auf dem noch jungen Referenzzinsatz Secured Overnight Financing Rate (Sofr) basieren. Der französischen Großbank BNP Paribas zufolge, die die Transaktion begleitet hat, handelt es sich um die bis dato „größte Corporate-Transaktion der neuen Referenzzinsrate in Europa“.

Der Referenzzins Sofr wird von der New York Federal Reserve veröffentlicht und soll bis Mitte 2023 die jetzige Benchmark US-Dollar Libor („London Interbank Offered Rate“) ersetzen. Auch in anderen Währungsräumen sollen die durch Skandale in Verruf geratenen Ibor-Zinssätze in den kommenden Jahren durch neue Referenzzinsätze ersetzen werden. Im Euro-Raum ist das der Estr, bei britischen Pfund der Sonia.

BMW: Nach Sonia-Umstellung kommt jetzt der Sofr

Bei Transaktionen in britischen Pfund ist BMW schon länger mit den neuen Referenzzinssätzen unterwegs: „Da wir schon verschiedene Kapitalmarkt- und Derivativtransaktionen in Verknüpfung mit dem Sonia durchgeführt haben, ist dies nun ein weiterer wichtiger Schritt, um unser globales Portfolio auf neue Referenzzinsätze umzustellen“, kommentiert Fredrik Altmann, Director Corporate Finance bei BMW, nun die Sofr-Transaktion.

Im August 2019 hatte der Autobauer als erstes Unternehmen eine Kapitalmarkttransaktion an den neuen risikolosen Referenzzinssatz Sonia gekoppelt. Es handelte sich damals um eine Privatplatzierung eines einjährigen Floater mit einem Volumen von 250 Millionen Britischen Pfund.

BMW schließt Sofr-Swaps über 1,25 Milliarden ab

Für die große Sofr-Premiere wählte BMW nun ein Derivategeschäft: Die Swaps sind mit festverzinsten Tranchen einer US-Dollar-Anleihe von BMW verknüpft, die die US-amerikanische Tochtergesellschaft der Münchener vor wenigen Tagen platziert hatte. Der Bond hat Laufzeiten von drei und zehn Jahren. BNP Paribas hat laut Mitteilung das volle Volumen der Swaps durchgeführt und diese dann an andere Kernbanken von BMW syndiziert.

Teil der Emission war laut BNP auch ein drei Jahre laufendes Papier über 750 Millionen Dollar, das variabel auf den Sofr verzinst ist. Bookrunner der Anleihe-Platzierungen waren dem Vernehmen nach Barclays, BNP Paribas, Credit Suisse, JP Morgan and Morgan Stanley.

Corporates lassen Libor hinter sich

Ashley Parker, Co-Head of Corporate Interest Rate & FX Sales EMEA bei BNP Paribas, sieht Corporates im Zuge der Umstellung auf neue Zinssätze noch am Beginn einer Entwicklung. Erst im März dieses Jahres hatte die britische Financial Conduct Authority (FCA) verkündet, dass der Libor für Britische Pfund, Euro, Schweizer Franken und Japanische Yen Ende 2021 eingestellt wird ebenso wie die Veröffentlichung des US-Dollar-Libor mit Laufzeiten von einer Woche und zwei Monaten. Im Juni 2023 endet die Ära des US-Dollar-Libors dann komplett.

„Einen nahtlosen Übergang vom Libor zu gewährleisten ist eine Schlüsselaufgabe der Finanzmärkte und wir freuen uns, europäische Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Verbindlichkeiten auf neue Referenzzinsen zu übertragen“, wird BNP-Manager Parker zitiert. „Nach der Ankündigung im März haben sich immer mehr Corporates dem Ibor-Übergang verschrieben.“ Treasurer fühlten sich jetzt immer wohler auch bei großvolumigen Swaps wie jenem von BMW. Das legt die Vermutung nahe, dass bald weitere Transaktionen folgen dürften, die auf den neuen Zinssatz referenzieren.

Info

Alles Wissenswerte zum Thema Referenzzinsätze finden Sie auf unserer Themenseite.

Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Der gebürtige Schleswig-Holsteiner ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury.