Deutsche Bank

30.08.18
Risiko Management

„Value-at-Risk-Modelle funktionieren in Schwellenländern nicht“

Die Türkei-Krise hat das Hedging von Schwellenländerwährungen wieder auf die Treasury-Agenda gerückt. Ole Matthiessen, Leiter FX Strukturierung bei der Deutschen Bank, fordert ein Umdenken beim Währungsmanagement in Emerging Markets.

Herr Matthiessen, der Risk-Sell-Off in der türkischen Lira hat auch andere Emerging-Markets-Währungen unter Druck gesetzt. Wie bewerten Sie die Lage?
Wir erleben in der Türkei gerade eine typische Schwellenländerkrise. Die wirtschaftlichen Probleme des Landes haben sich schon länger angekündigt. Letztlich führte aber ein politisches Ereignis - die Sanktionsankündigungen der USA - zum Absturz der Lira. In der Folge ist auch die Volatilität in anderen Währungen wie dem russischen Rubel und dem südafrikanischen Rand extrem angestiegen, in der Spitze auf bis zu 50 Prozent. Wir erwarten, dass die Volatilität bis auf weiteres hoch bleiben wird. Viele deutsche Unternehmen sind davon komplett überrascht worden und in Schwellenländerwährungen untersichert.

Warum?
Das Problem ist, dass die Volatilität in den Währungsmärkten in den vergangenen 18 bis 24 Monaten eher gering war. Das hat dazu geführt, dass Unternehmen, die ihr Währungsmanagement mit Hilfe von Value-at-Risk-(VaR)-Modellen steuern, die Risiken systematisch unterschätzt haben.

Matthiessen: „Treasurer ziehen die falschen Schlüsse“

Diese Modelle sind hierzulande aber weitverbreitet. Liegen die Treasurer damit alle falsch?
Nein, ich will VaR-Modelle nicht grundsätzlich in Frage stellen. Aber zur Steuerung von Schwellenländerwährungen sind sie nur bedingt geeignet: Erstens entwickeln sich in Krisen wie in der Türkei oft alle Emerging-Markets-Währungen gegen das Unternehmen. Bereits diese Korrelationen bilden die Modelle häufig nicht ausreichend ab. 

Treasurer gesucht wie nie

Im ersten Halbjahr 2018 war die Nachfrage nach Treasury-Spezialisten enorm. Die geforderten Fähigkeiten haben sich derweil gewandelt.

 

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Zweitens ziehen Treasurer oft falsche Schlüsse: Sie lassen Risiken bei Schwellenländerwährungen offen, weil die Absicherung aufgrund des hohen Zinsdifferentials teuer ist. Im Gegenzug hedgen sie dann andere Währungspaare mit geringeren Absicherungskosten zu 100 Prozent und halten so den VaR ein.

Welche Lösung Matthiessen bei der Absicherung von Schwellenländerwährungen stattdessen vorschlägt, lesen Sie im aktuellen E-Magazin von DerTreasurer.

backhaus[at]derTreasurer.de

Wechselkursschwankungen können Unternehmen einen erheblichen Teil ihrer Gewinne kosten. Wie managen Treasurer FX-Risiken, und welche neuen Tools gibt es? Auf der Themenseite Währungsmanagement beleuchten wir neueste Trends.

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