Für die Banken in der Londoner City wird es im Zuge des Brexit unbequem.

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09.09.19
Risiko Management

Wegen Brexit: Treasurer verlagern Handelsfinanzierung

Der Brexit wird aller Voraussicht nach negative Konsequenzen für Unternehmen haben. Wie sich europäische Treasurer angesichts dessen vorbereitet fühlen und wie sie ihre Bankpolitik ändern, zeigt eine neue Studie.

In Großbritannien herrscht politisches Chaos: Von einem ungeregelten Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU bis zu einer erneuten Verschiebung des Brexit ist derzeit alles denkbar. Diese Unsicherheit trifft auch Unternehmen: Einer aktuellen Umfrage der US-Beratung Greenwich unter 61 Treasurern europäischer Firmen zufolge (davon 13 britische Unternehmen) gibt ein Viertel an, der Brexit habe bereits jetzt negative Folgen für ihr Geschäft.

Das Schlimmste dürfte allerdings noch kommen: Zwei Drittel der befragten UK-Firmen sowie ein Drittel der kontinentaleuropäischen Unternehmen gibt an, dass der Brexit ihren Geschäften langfristig schädigt. Sie rechnen mit negativen Folgen in den kommenden fünf Jahren.

Eine entscheidende Rolle dürften dabei die aufwendigen Ausfuhrprozesse und Zollverfahren spielen, auf die sich EU-Unternehmen künftig bei Warenlieferungen aus oder nach Großbritannien einstellen müssen. Was der Brexit konkret für die Exportlogistik bedeutet und wie sich Unternehmen darauf vorbereiten können, das beleuchtet der Tag der Exportweltmeister, den unsere Schwesterpublikation ExportManager am 22. Oktober in Mannheim ausrichtet.

Unternehmen ziehen Geschäft aus UK ab

Die gute Nachricht der Umfrage lautet: Viele Unternehmen sehen sich schon recht gut vorbereitet. Dort geben neun von zehn Befragten an, ihre Unternehmen seien bereit für die Herausforderungen, die sich durch den Brexit ergeben werden.

Die Vorbereitungen bestanden der Studie zufolge unter anderem darin, die Geschäfte in Großbritannien zu beschneiden: 20 Prozent der Befragten gaben an, sie würden ihre UK-Aktivitäten in andere EU-Länder verlagern – oder treffen Vorkehrungen für einen solchen Umzug, falls der Brexit eintritt.

Treasurer suchen sich neue Banken

Doch der EU-Austritt der Briten hat auch Folgen für die Bankbeziehungen: Immerhin ein Viertel der Befragten aus Kontinentaleuropa gibt an, dass der Brexit ihre Anforderungen an die Banken verändere. Die größten Einschnitte erwarten die befragten Treasurer demnach im FX-Hedging. Viele deutsche Unternehmen arbeiten mit ihren Banken bereits seit Monaten daran, Rahmenverträge für Derivategeschäfte zu überarbeiten.

Aber auch in der Handelsfinanzierung bereiten sich die Befragten auf Veränderungen vor: Etwa ein Drittel der Befragten gibt an, es sei wahrscheinlich, dass sie nach dem Brexit Trade-Finance-Geschäfte verlagern werden – weg von UK-Banken und hin zu europäischen Häusern.

Zwar weisen die Studienautoren darauf hin, dass auch britische Banken nach dem Brexit über ihre EU-Gesellschaften Handelsfinanzierungsgeschäfte auf dem Kontinent anbieten dürfen. Allerdings erfordere dies die Verlagerung von Kapital und Liquidität. Eine Entscheidung über die Ausstattung ihrer UK-Töchter müssen einige Banken noch treffen. Zudem dürfte davon abhängig ihre Fähigkeit, den Unternehmen kompetitive Konditionen anzubieten, negativ beeinflusst werden. Daher geht die Beratung davon aus, dass sich britische Banken im Trade-Finance-Geschäft mit europäischen Unternehmen künftig schwer tun könnten.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Mehr zum Thema Brexit erfahren Sie beim Tag der Exportweltmeister, den unsere Schwesterpublikation ExportManager am 22. Oktober in Mannheim ausrichtet. Hier geht es zum Programm. Ebenfalls auf der Agenda: Die Folgen von Zöllen und Sanktionen für den Welthandel und neue Trends in der Akkreditivabwicklung.

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