Erster M&A-Deal: TIS kauft US-Anbieter Cashforce.

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17.06.22
Software & IT

Erster M&A-Deal: TIS kauft US-Anbieter Cashforce

Der Cloud-Spezialisten TIS übernimmt den Softwareanbieter Cashforce. Mit diesem Zukauf erweitert TIS sein Angebot um das Thema Liquiditäts-Forecast.

Der auf Cloudsoftware spezialisierte Zahlungsverkehrsanbieter TIS verstärkt sich im Bereich Liquiditäts-Forecast. Wie das Heidelberger Softwarehausheute mitteilt, übernimmt TIS den Softwareanbieter Cashforce. Das US-Unternehmen ist auf Künstliche-Intelligenz-basierte Cash-Management- und Forecast-Lösungen spezialisiert. Bislang bestand schon eine Partnerschaft der beiden Unternehmen. 

Zum Kaufpreis äußerten sich die beteiligten Parteien nicht. TIS finanziert den Deal teilweise mit der neuen Kreditlinie in Höhe von 50 Millionen, die der Zahlungsverkehrsanbieter Anfang Mai von Kreos Capital erhalten hat. Es ist aber aus dem Markt zu hören, dass der Deal deutlich unter dem Volumen der Kreditlinie liegt. 

TIS expandiert mit Zukauf in die USA

Mit dem Zukauf von Cashforce stemmt TIS seine erste Übernahme in der Unternehmensgeschichte. In den vergangenen zwölf Jahren wuchsen die Walldorfer ausschließlich organisch. „Mit dieser Übernahme expandieren wir in die USA und stärken unser Produktportfolio im Bereich Liquiditätsplanung, Cash Forecast und Working-Capital-Management“, sagt Jörg Wiemer, Strategiechef (CSO) und Mitgründer von TIS, gegenüber DerTreasurer.

Der Zahlungsverkehrsanbieter erweitert durch diese Übernahme seine Softwarelösung, die Ist-Daten im Zahlungsverkehr anzeigt, um Plandaten für die Liquiditätssteuerung. „Wir führen beide Tools von TIS und Cashforce zusammen und können dadurch Treasurern und Finanzverantwortlichen eine noch bessere Lösung anbieten“, sagt Wiemer weiter. Weitere Übernahmen seien denkbar, so Wiemer. TIS wolle aber klar im Payment-Bereich bleiben, strebt also nicht an, eine holistische TMS-Lösung anzubieten.  

TIS und Cashforce kennen sich gut. Beide Softwareunternehmen arbeiten schon seit mehreren Jahren partnerschaftlich zusammen. Die Systeme der beiden Unternehmen sind Unternehmensangaben zufolge bereits durch offene Schnittstellen (APIs) miteinander verbunden, eine gute Basis für die künftige Zusammenarbeit. Nicolas Christiaen, Gründer und CEO von Cashforce, wird an Bord bleiben. Er soll künftig direkt an CSO Jörg Wiemer berichten.  

Künstliche Intelligenz soll Liquiditätsplanung verbessern

TIS erweitert sein Produktportfolio in Zeiten, in denen die Liquiditätssteuerung und -planung bei vielen CFOs und Treasurer weit oben auf der Agenda steht. Die Coronakrise habe gezeigt, wie wichtig es ist, den Überblick über die Liquidität zu haben, betont Wiemer. Die gegenwärtigen widrigen Umstände – Ukraine-Krieg, Lieferkettenprobleme, hohe Inflation und steigende Zinsen – erfordern das ebenso, denn über Cashflow-Forecasts stellen Unternehmen die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sicher.  

Perspektivisch dürften Künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise Predictive-Analytics-Modelle dabei eine immer wichtigere Rolle spielen – ein Feld, in dem auch Cashforce tätig ist. Denn durch interne und externe Daten soll die Liquiditätsplanung noch präziser werden. Erste größere Unternehmen wie der Chemiekonzern BASF oder der Energiekonzern E.on arbeiten schon mit solchen Modellen in der Liquiditätsplanung. Die Deutsche Post DHL Group führt es gerade ein.  

Paulus[at]derTreasurer.de