Bilanzierung von Finanzinstrumenten – der blinde Fleck zwischen Treasury-System und Abschluss

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Die abschlusssichere Bewertung von Finanzinstrumenten – allen voran eingebetteter Derivate – gilt als Nischenthema. In vielen Unternehmen läuft dieser Prozess noch manuell. Doch die bilanziellen Risiken sollten nicht unterschätzt werden. Warum klassische Systeme an ihre Grenzen stoßen und was Treasurer konkret tun sollten, erläutert Dominik Konold, Geschäftsführer von Finidy Solutions, dem Anbieter der Treasury-Accounting-Plattform Finflexia.

Eingebettete Derivate gelten als Nischenthema bei der Bilanzierung von Finanzinstrumenten. Warum unterschätzen viele Unternehmen die Folgen, die diese Konstruktionen für die eigene Bilanz haben können?

Finanzierungen sind in den vergangenen Jahren deutlich komplexer geworden. Dadurch sind neue Risikokomponenten hinzugekommen: Wandel- und Umtauschanleihen, Kündigungsrechte, Make-Whole-Klauseln oder Konstruktionen mit Sustainability Link. Immer dann, wenn ein Unternehmen selbst zum Emittenten wird, gilt es zu prüfen, ob eingebettete Derivate vorliegen. Dafür muss man analysieren, wie eng Basisvertrag und Derivat verbunden sind.

Wenn das nicht der Fall ist, müssen diese Komponenten eigenständig zum Fair Value bewertet und entsprechend bilanziert werden. Treasury-Teams haben meist gut im Blick, welche finanziellen Auswirkungen die Verträge haben, aber die bilanziellen Konsequenzen werden oft erst später betrachtet. Und das kann sich rächen und sich hart in der GuV niederschlagen.

Wo genau stoßen etablierte Treasury- und ERP-Systeme bei der abschlusssicheren Bewertung an ihre Grenzen?

Klassische Plain-Vanilla-Anleihen mit einer entsprechenden Effektivzinsmethode zu fortgeführten Anschaffungskosten lassen sich noch gut über solche Systeme abbilden. Die Schwierigkeiten beginnen dort, wo Risikokomponenten getrennt betrachtet werden müssen und dafür ein eigenes Bewertungsmodell benötigt wird. Da wird es dann anspruchsvoll. Etwa bei Anleihen mit einem Wandlungsrecht, da gibt es neben dem Zinsrisiko und Kreditrisiko auch noch ein Equity-Risiko, das getrennt betrachtet werden muss.

„Die Schwierigkeiten beginnen dort, wo Risikokomponenten getrennt betrachtet werden müssen.“

Allerdings lassen sich die verschiedenen Risikoarten auch nicht einfach nebeneinanderstellen und isoliert bewerten, weil sie sich gegenseitig beeinflussen. Solche Korrelationen können Standardsysteme schon überfordern. Hier setzen spezialisierte Plattformen wie Finflexia an. Sie identifizieren die trennungspflichtigen Komponenten und bewerten sie in einem konsistenten Modell inklusive der Wechselwirkungen.

Nutzen denn viele Unternehmen bereits spezialisierte Plattformen oder gibt es einen Automatisierungsrückstand im Treasury Accounting?

Spezialisierte Plattformen sind noch die absolute Ausnahme. Im Treasury Accounting gibt es eine deutlich größere Automatisierungslücke, als viele zugeben wollen. Solche eingebetteten Derivate gelten als Einzelfälle, die komplex und individuell sind und sich deshalb gar nicht automatisieren lassen. Für diese Fälle gibt es weiterhin die berüchtigten Excel-Landschaften, die dann mit Zeitdruck für den Abschluss abgearbeitet werden müssen.

Das ist für viele Unternehmen ziemlich riskant, weil das spezielle Bewertungs-Know-how, das man dafür braucht, meist bei einer Schlüsselperson liegt, die es sich mühsam aufgebaut hat. Verlässt diese Person das Unternehmen – etwa, um in den Ruhestand zu gehen –, dann geht auch dieses Spezialwissen verloren.

Die meisten Unternehmen behelfen sich dann mit teuren externen Experten. So externalisiert man die Kompetenz und macht sich von der Verfügbarkeit von externen Personen abhängig. Zudem fallen jedes Mal Kosten an, wenn man diese Expertise benötigt. Dabei ließen sich wiederkehrende, regelbasierte Fälle durchaus automatisieren.

Was sollten Treasurer und Bilanzierer konkret tun, um sich prüfungssicher und effizient aufzustellen?

Das Erste und wahrscheinlich Wichtigste ist, schon bei der Emission die Term Sheets auf trennungspflichtige Risikokomponenten zu prüfen und das Accounting frühzeitig mit einzubinden – nicht erst zum Reporting-Stichtag.

Der zweite wichtige Punkt ist, klare Prozesse zwischen den Abteilungen Kapitalmarkt, Treasury und Accounting zu etablieren. In den meisten Fällen ist ein Austausch darüber nötig, welche Risikokomponenten in den Verträgen enthalten sind und wie sie zu betrachtet werden müssen.

Drittens sollte man die Bewertung von Excel auf eine auditierbare, spezialisierte Bewertungsplattform überführen. Dort steckt die notwendige Expertise: Per Drag and Drop lassen sich relevante Risikokomponenten hinzufügen – das Treasury muss also nach wie vor selbst verstehen, welche Komponenten zu betrachten sind, und behält somit diese Kernkompetenz. Die Bilanzierung und Bewertung finden dann automatisiert auf der Plattform statt – in einem klassischen SaaS-Modell.

Wenn man die Kette so schließt, dann macht man aus einem Sonderfall einen kontrollierbaren Standardprozess: von der modellbasierten Bewertung bis zur prüfungssicheren Buchung nach IFRS 9 oder HGB.

Dominik Konold

Geschäftsführer Finidy Solutions GmbH

dominik.konold@finidy.de