Freihandelszone Shanghai

19.03.14 08:31

China erlaubt grenzüberschreitendes Cash Pooling

Von Desiree Backhaus

Unternehmen mit Sitz in der Freihandelszone Shanghai können nun grenzüberschreitendes Cash Pooling in Renminbi betreiben. Für Corporate Treasurer ist diese Liberalisierung ein bedeutender Schritt.

In der Freihandelszone Shanghai testet China die Öffnung der Finanzmärkte.

Thinkstock / Getty Images

In der Freihandelszone Shanghai testet China die Öffnung der Finanzmärkte.

China hat erneut einen großen Schritt Richtung Öffnung gemacht: Die chinesische Zentralbank People‘s Bank of China (PBoC) erlaubt nun grenzüberschreitendes, physisches Cash Pooling in Renminbi. Zwar ist das Pilotprojekt derzeit auf Unternehmen begrenzt, die in der Freihandelszone in Shanghai registriert sind. Doch im Falle eines Erfolgs könnte die Liberalisierung, wie schon bei anderen Pilotprojekten, auf das gesamte Land ausgeweitet werden.

Der Schweizer Pharmaherstellers Roche, das US-amerikanische Industrieunternehmen Dover und der chinesische Automobilhändler Baoxin sind die ersten Unternehmen, die von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch machen. Roche kooperiert mit der Citibank, Dover arbeitet mit HSBC und Baoxin mit Standard Chartered. Vor Kurzem hat nun auch die Deutsche Bank angekündigt, mit dem österreichischen Textilfaserproduzenten Lenzing das erste Unternehmen an die grenzüberschreitende Cash-Pooling-Struktur anzubinden.

Schon bald könnten weitere Firmen auf den Zug aufspringen, denn die Vorteile sind groß: Unternehmen haben nun erstmals die Möglichkeit, Liquidität in Renminbi täglich auf automatisierter Basis aus China heraus- oder in das Land hineinzubekommen. Sie können ihr Cash nun in regionalen Treasury-Centern oder auf Konzern ebene poolen und so Finanzierungskosten senken. Mit Hilfe des Poolings können sie auch das Währungsrisiko zentral steuern und müssen weniger in China selbst absichern.

Worauf Treasurer beim Cash Pooling in China achten müssen

Ein paar Voraussetzungen gibt es jedoch, damit Renminbi-Konten an den Cash Pool angeschlossen werden können: Alle Cash-Pool-Teilnehmer müssen Teil derselben Muttergesellschaft sein und positives Eigenkapital haben, außerdem ist die Mittelherkunft beschränkt: „Die chinesische Tochtergesellschaft muss die Liquidität aus ihrer operativen Geschäftstätigkeit erwirtschaftet haben“, sagt Ronny Schnittke von der HSBC in Deutschland. „Mittel aus Bankdarlehen dürfen sie nicht in den Cash Pool geben.“

Außerdem gelte es sicherzustellen, dass eine konzerninterne Quote zwischen den grenzüberschreitenden Kapitalzu- und abflüssen im Cash Pool nicht überschritten wird: Die Quote orientiert sich am üblichen operativem Geschäftsumfang des Unternehmens und wird zwischen der Cash-Pool-Bank und dem Unternehmen direkt vereinbart. Seitens der Regulierungsbehörden gibt es hier keine konkreten Vorgaben: „Das muss durch eine technische Lösung der Bank sichergestellt werden.“

Bei der Liquidität, die über den Cash Pool nach China fließt, könnte außerdem Dokumentationsaufwand entstehen, warnt Lothar Meenen, Leiter Cash Management Deutschland bei der Deutschen Bank, denn die Gelder dürfen dort nur zur Betriebsmittelfinanzierung eingesetzt werden: „Das Unternehmen muss unter Umständen Begleitdokumente wie Verträge oder Rechnungen liefern, um die Verwendung nachzuweisen.“

Auch bei Fremdwährungen bewegt sich China

Trotzdem könnte die Erlaubnis, grenzüberschreitendes Cash Pooling zu betreiben, für viele Unternehmen ein Meilenstein sein. Sie ist die logische Folge aus einem Pilotprojekt, das die chinesische Zentralbank im vergangenen März gestartet hatte. Damals hatte sie ausgewählten Unternehmen – darunter der Automobilzulieferer Conti – grenzüberschreitende konzerninterne Darlehen erlaubt. Die sind jedoch aufgrund ihrer Laufzeiten deutlich weniger flexibel: „Weil das Projekt erfolgreich war, geht die PBoC nun einen Schritt weiter“, sagt Schnittke.

Auch auf die für Fremdwährungen zuständige Regulierungsbehörde SAFE scheinen die Erleichterungen der PBoC abzufärben. Die SAFE gab kürzlich eine Roadmap heraus. Noch sind die Banken, mit denen DerTreasurer in Kontakt steht, dabei, diese zu prüfen. Vielleicht gibt es auch von dieser Front bald wieder Neuigkeiten.

backhaus[at]derTreasurer.de