Neues Geldmarktprodukt

31.08.16 16:52

CRX Markets zielt auf Corporate Treasurer als Investoren

Von Desiree Backhaus

Mit Lufthansa und Vattenfall nutzen bereits zwei Großkonzerne die Plattform des Supply-Chain-Finance-Anbieter CRX Markets. Jetzt will das FinTech Corporate Treasurer auch als Investoren gewinnen.

Lufthansa

Die Lieferanten der Lufthansa können ihre Forderungen über die Plattform von CRX Markets handeln.

Wer kurzfristig Cash anlegen muss, kommt kaum noch an negativen Zinsen vorbei. Dieser Anlagedruck ruft neue Spieler auf den Geldmarkt: Der Supply-Chain-Finance-Anbieter CRX Markets will Investoren ermöglichen, verbriefte Lieferantenforderungen von Unternehmen zu erwerben. Nicht nur Asset Manager, Family Offices und Banken stehen dabei im Fokus des FinTechs: „Wir wollen auch Corporate Treasurer als Investoren gewinnen“, sagt Alexei Zabudkin, Head of Capital Markets bei CRX Markets. Das erste Industrieunternehmen soll bereits in den kommenden Wochen an die Plattform angeschlossen werden.

Die Basis ist eine Art Reverse-Factoring-Modell: CRX bündelt und verbrieft die Forderungen vieler Lieferanten gegenüber einem einzigen Schuldner. Es entsteht ein handelbares Wertpapier mit zwei bis drei Monaten Laufzeit, je nach Zahlungsziel der Lieferanten. CRX hat bereits zwei Unternehmen aufgesattelt, deren Lieferanten Rechnungen über die Plattform handeln: Lufthansa und Vattenfall – wobei sich der Energiekonzern zunächst gegen die Verbriefung entschieden hat.  Hier stehen Banken wie die Helaba als Finanziers bereit. Als dritter Schuldner soll bald ein großer europäischer Konsumgüterhersteller folgen. „Bei der Verbriefung werden die einzelnen Schuldnerrisiken weder vermischt noch tranchiert“, erklärt Zabudkin. „Das Ergebnis kommt damit einem Corporate Commercial Paper sehr nahe.“

Geldmarktprodukt von CRX Markets ähnelt Commercial Paper

Es gibt jedoch kleine Unterschiede: So wird das Papier nicht direkt vom Unternehmen emittiert und damit auch nicht direkt geschuldet, wie es etwa bei der jüngsten Geldmarkttransaktion von Otto der Fall ist.  Im Falle einer Insolvenz wären die Gläubiger aber nicht schlechter gestellt, sagt Kapitalmarktspezialist Zabudkin: „Die dahinterstehende Zweckgesellschaft besitzt ein unwiderrufliches und einredefreies Zahlungsversprechen des Schuldners und kann dieses an Investoren weiterreichen.“ 

Trotz dieser laut CRX investorenfreundlichen Struktur können Anleger zumindest vorläufig eine deutliche höhere Verzinsung erwarten als bei gewöhnlichen Commercial Papers: „Euribor plus 30 bis 80 Basispunkte ist für ein Zwei- bis Dreimonatsrisiko je nach Bonität des Kunden denkbar.“ Dies könne sich allerdings ändern, je mehr Investoren auf die Plattform aufsatteln und mitbieten.

Backhaus[at]derTreasurer.de

Nicht nur CRX Markets, sondern auch andere neue Anbieter wollen Corporate Treasurer als Kunden gewinnen. Auf dem Laufenden bleiben Sie mit unserer Themenseite FinTechs im Treasury.